22.05.2006 Leserbrief ein Hundetrainerin

Mein Leserbrief - Ihre Stellungnahme (siehe: Unsere Stellungnahme):

Hallo noch einmal,

vielen Dank für Ihre Stellungnahme, die ich leider so nicht teilen kann. Ich bin nach wie vor GEGEN das neue Hundegesetz und unterstützte ich es mit der Abnahme von Gehorsamsprüfungen nicht.

Ich hoffe sehr, dass die meisten Leser mit mir darüber einstimmen, dass für jedes Mitglied unserer Gesellschaft ein gewisse Erziehung absolut wichtig wäre, um anderen Menschen, mit Achtung, Höflichkeit und Respekt zu begegnen. Umso mehr wundert es mich, wenn ich immer wieder feststelle, dass sehr viele Menschen es scheinbar nicht für nötig halten, ihrem Menschen-Kind eine souveräne, altersgemäße Erziehung zu ermöglichen, damit aus diesem ein freundlicher, gesellschaftsfähiger, erwachsener Mensch wird. Ebenso scheint es sich mit unseren Hunden zu verhalten.

Selbstverständlich ist mit diesem radikalen Gesetz absolut NICHT dafür gesorgt, dass Hundevorfälle nun nicht mehr auftreten. Ganz im Gegenteil: auch ich gehe davon aus, dass Hundeprobleme SEHR geschürt werden. Deswegen hat unsere Hundeschule seinerzeit vehement versucht, den entscheidungstragenden Personen klarzumachen, dass ein Sachkundenachweis wichtig wäre, damit auch unter den Hundehaltern nicht ständig Unstimmigkeiten aufkommen und es dem armen unverstandenen Wesen Hund endlich besser geht.

Dennoch bin ich überzeugt davon, dass wir Hundehalter auch dazu beitragen sollten, dass Hunde in ein nettes Bild gerückt werden, indem wir unseren Hunden wenigstens eine jeweils altersgemäße Grunderziehung anbieten. Leider ist es nicht das Bild des Hundes, welches ich tagtäglich vor Augen habe. Ich erlebe überall und in großer Anzahl Hundehalter, die bedauerlicherweise überhaupt keine Ahnung von Hunden im allgemeinen, geschweige denn von ihrem eigenen Hund haben. Dieses tut weiß Gott weder dem eigenen Hund, noch anderen Hunden, noch dem Bild in der Öffentlichkeit gut.

Deshalb: ich finde es sehr, sehr wichtig, dass Hunde wie Menschen eine Grunderziehung genossen haben, um problemlos durch das Leben zu gehen und deshalb begrüße ich es sehr, wenn Hundehalter freiwillig bereit sind, sich mit Ihrem Hund einem kleinen Test zu unterziehen, der beweist, dass sie mit ihrem Hund (zumindest in DIESER geprüften Situation) ein prima Team sind. Dass dieses kein Garant für`s ganze Leben ist, ist klar! Wie schon gesagt: noch wichtiger wäre mir, dass Hundehalter die Verpflichtung hätten, sich ausreichend Fachwissen rund um den Hund anzueignen, dann hätten wir deutlich weniger Probleme!

Ich halte Hundeerziehung wie Menschenerziehung für absolut notwendig für ein friedliches Zusammenleben Aller. Dass Hundeerziehung nichts mit Kadavergehorsam zu tun hat, sollte sich bereits herumgesprochen haben.

Einen Hund zu erziehen, bedeutet keine Qual für den Hund, sondern dass er Sicherheit durch eine souveräne Person hat, die ihn freundlich und wissend durch`s Leben begleitet. Und oh Wunder: dieses funktioniert alles auf absolut nette und freundliche Art und Weise! Der Alltag, den ich erlebe und den ich von meinen Hundeschulkunde geschildert bekomme, sieht leider so aus, dass Hunde haltlos alleine durch die Gegend laufen, andere Hunde attackieren, fremde Menschen belästigen und dergleichen. Vom Hundehalter weit und breit keine Spur! Der Hund kann so gar nichts dafür, wenn der Halter einfach zu faul ist, seinem Hund ein interessantes Leben (selbstverständlich ohne Leine) aber in seinem Einwirkungsbereich zu ermöglichen. Leider ist diese Welt zu gefährlich! Ich persönlich kenne etliche Hunde, die so unter die Räder gekommen sind.

Warum also sollten sich nicht Menschen freiwillig zusammentun und beweisen: mein Hund und ich sind ein echtes Team und von uns geht keine Gefahr aus. Neben allem Schwachsinn des neuen Hundegesetzes könnte dieses unser freiwilliger Bertrag dazu sein, unsere Friedfertigkeit und die des Hundes zu symbolisieren.

Auch so kann man aufgehetzte Bürger und "feindliche" Politker umstimmen!

Und noch einmal: damit keine Mißverständnisse aufkommen: ich liebe Hunde! Und ich liebe es, wenn Hunde frei über die Wiesen rennen, spielen, sich wohl fühlen..... Meine Hunde führen ein solches Leben! Ich hasse es, eine Leine in der Hand zu haben. Ich habe das Gefühl meinen Süßen so etwas anzutun, ABER: das geht nur, wenn die Bindung zum Hundehalter ausreichend groß ist, der Hund interessiert genug an seinem Sozialpartner Mensch. Solange dieses nicht der Fall ist, ist es für den Hund ein sehr trauriges Leben und unverantwortlich, seinen Hund alleine durch die Weltgeschichte laufen zu lassen....

Mit freundlichen Grüßen

Angela Dolma
diplomierte Tierpsychologin
Hundeschule DOG`S ACADEMY