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28.12.2007 - Tiertafel Hamburg

28.12.2007, Abendblatt
Hilfsprojekt In Altona bekommen Hartz-IV-Empfänger Futter für ihre Hunde und Katzen
"Meine Rente reicht nicht fürs Katzenfutter"

Der Verein Tiertafel verteilt in einer Tagesstätte für Obdachlose einmal in der Woche kostenlos Konserven an bedürftige Tierhalter. Rund 200 Kunden kommen pro Tag.

Von Friederike Ulrich

Wenn das Geld knapp ist, muss jeder Cent zweimal umgedreht werden, damit es zum Leben reicht.

Hin und wieder bleibt dann auch der Futternapf von Hund und Katze leer.

Für Hartz-IV-Empfänger oder Senioren mit kleiner Rente ist die Beschaffung von Tierfutter oft eine große finanzielle Belastung.

Damit bedürftige Hamburger ihre Vierbeiner nicht ins Tierheim abschieben müssen, weil sie sich deren Unterhalt nicht mehr leisten können, werden sie vom Verein Tiertafel unterstützt.

Ähnlich der Hamburger Tafel gibt es in der Altonaer Obdachlosen-Tagesstätte "Mahlzeit" seit Kurzem einmal pro Woche kostenloses Futter für die vierbeinigen Freunde bedürftiger Tierbesitzer.

"Von Woche zu Woche kommen mehr Leute", sagt Bettina Elze (41), die die Hamburger Tiertafel gegründet hat.

Ihre Aktion spricht sich rum - kamen in den Anfangszeiten etwa 20 bedürftige Tierfreunde, sind es mittlerweile rund 200.

"Das meiste wird uns gespendet", sagt Bettina Elze. "Wenn es mal nicht reicht, kaufen wir auf eigene Rechnung Futter dazu." Bevor die Tiernahrung über die Theke gereicht wird, müssen die Empfänger Arbeitslosen- oder Rentenbescheinigung vorlegen.

Katharina Bluhm (15) und ihre Mutter Inge (41) haben mehr als eine Stunde Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinter sich. Sie kommen jede Woche aus Langenhorn, um sich hier in Altona Futter für die Hunde Gonzo und Jiro abzuholen. Für sie ist die Unterstützung der Tiertafel nicht mehr wegzudenken.

"Gerade sind für Jiro 300 Euro Tierarztkosten angefallen", sagt Inge Bluhm. "Die kann ich zwar in Raten zurückzahlen, aber es hilft mir sehr, dass ich hier kostenloses Futter bekomme." Daran, dass sie sich die Hunde vielleicht irgendwann nicht mehr leisten kann, mag sie nicht denken. "Die gehören doch zur Familie und trösten uns, wenn wir traurig sind."

Immer mehr bedürftigen Tierfreunden bleibt aber nichts anderes übrig, als sich von ihren Lieblingen zu trennen. Von den 1000 Tieren, die in diesem Jahr im Franziskus-Tierheim abgegeben wurden, sei dies in rund 150 Fällen aus finanzieller Not geschehen, schätzt Leiter Frank Weber.

Um zumindest einigen Tieren dieses Schicksal zu ersparen, bietet das Franziskus-Tierheim in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz und der Tierärztekammer ein Projekt für die Hunde von Obdachlosen an. Einmal im Monat fährt ein Tierarzt im Obdachlosenmobil mit und bietet kostenlose medizinische Versorgung der Vierbeiner an.