11.11.2006 Drama - Fünfjähriger von Pitbull angegriffen
11.11.2006, WELT
Drama - Fünfjähriger von Pitbull angegriffen
Hund beißt Kind bei einem Spaziergang in Spandau die Fingerkuppe ab.
Polizei fängt das Tier ein. Der Fünfjährige wurde von der alarmierten Feuerwehr versorgt und in das Klinikum Westend gebracht.
Von Peter Oldenburger
Es sollte ein unbeschwerter Spaziergang für die Kinder einer Kitagruppe am Havelufer gestern Mittag werden. Doch der Ausflug in Spandau endete für einen fünfjährigen Jungen mit einem traumatischen Erlebnis.
Der Junge wurde unter der Dischingerbrücke grundlos von einem Kampfhund angefallen und gebissen und verlor dabei eine Fingerkuppe an der rechten Hand. Zwar konnte die Fingerkuppe gefunden werden.
Der Versuch der behandelnden Ärzte, dem Jungen die Fingerkuppe wieder anzunähen, scheiterte jedoch.
Gegen 12.30 Uhr war die 15 Kinder zählende Gruppe mit ihren drei Betreuern auf dem Spazierweg am östlichen Havelufer unterwegs.
Unterhalb der Ruhlebener Straße, gerade eine Gehminute vom Kinder- und Schülerladen an der Straße Plantage 8 entfernt, näherte sich eine 48-Jährige auf einem Fahrrad der Gruppe.
Die Frau führte drei Hunde bei sich, zwei davon waren laut Polizei angeleint.
Der dritte Hund, ein junger brauner Pitbullrüde, lief frei herum und hatte auch keinen Maulkorb angelegt.
Als die Kinderschar die Vierbeiner schon passiert hatten, drehte der Pitbull plötzlich um und biss den Jungen ohne erkennbaren Grund in die rechte Hand.
Die am nächsten stehende Kita-Betreuerin und die Hundebesitzerin versuchten gleichzeitig, den Hund von dem Kind wegzureißen.
Der erst vier Monate alte Rüde hatte sich jedoch festgebissen und biss schließlich dem Jungen die Kuppe des Ringfingers der rechten Hand ab. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hätten die Kinder den Vierbeiner nicht provoziert.
Der Fünfjährige wurde von der alarmierten Feuerwehr versorgt und in das Klinikum Westend gebracht. Die nach dem Zwischenfall verstörten Kinder kehrten mit den geschockten Erziehern in den Kinderladen zurück.
Der braune Pitbull wurde vor dem Haus der Hundebesitzerin, etwa 200 Meter von der Kita entfernt, aufgegriffen.
Die 48 Jahre alte Frau hatte zunächst die beiden anderen Hunde nach Hause gebracht und sich dann bei den herbeigerufenen Polizeibeamten gemeldet.
Die Beamten nahmen eine Anzeige wegen schwerer Körperverletzung auf.
Die Halterin hatte zunächst angegeben, der junge Pitbull-Rüde gehöre ihrer Tochter. Diese Angaben würden vom Ordnungsamt Spandau geprüft.
Darüber hinaus ist die Herkunft des Pitbull zu klären, von welchem Züchter er stammt und ob er möglicherweise illegal importiert worden ist, erklärte ein Polizeisprecher auf Anfrage dieser Zeitung.
Der braune Pitbull wurde von Mitarbeitern des Spandauer Ordnungsamtes mitgenommen.
Der Hund sollte laut Polizei im Tierheim einem Amtstierarzt vorgeführt werden. Dieser habe dann zu entscheiden, ob das Tier möglicherweise eingeschläfert werden muss.
Die Mitarbeiter des Kinder- und Schülerladens Spandau wollten sich gestern zu den Einzelheiten des Vorfalls nicht äußern. Sie waren am Nachmittag von Beamten der Kripo vernommen worden.
Es hieß auf Anfrage dieser Zeitung lediglich, die gesamte Gruppe und ihre Betreuer seien durch den Zwischenfall noch sehr aufgeregt. Die unmittelbar am Geschehen beteiligte Erzieherin sei vorzeitig gegangen.
Zahlreiche Übergriffe von Kampfhunden auf Kinder und Erwachsene hatten zu einem Verbot zahlreicher Rassen geführt. Auch die Bestimmungen zum Tragen von Maulkörben und den Leinenzwang hatten die Berliner Behörden verschärft.
Dennoch bleiben Unfälle mit Kampfhunden an der Tagesordnung. So hatte ein Pitbull Anfang Mai auf einem Kinderspielplatz in Tempelhof drei Kinder attackiert.
Der Hund war den vier- bis sechsjährigen Kindern im Frankepark hinterhergelaufen, die sich schließlich auf Klettergeräte flüchten konnten. Einem Polizeibeamten war es schließlich gelungen, den Pitbull mit einer Fangschlinge einzufangen. Die Kinder blieben unverletzt.
