18.05.2004 - 800 Euro für eine alte Katze
18.05.04, Mopo
800 EURO FÜR EINE ALTE KATZE
Was sind das nur für Tierschützer?
STEPHANIE LAMPRECHT
Die Aufnahmegebühren beim Hamburger Tierschutzverein (HTV) staffeln sich nach dem Alter der Katzen: bis 5 Jahre 70 Euro, bis 8 Jahre 80 Euro, bis 10 Jahre 90 Euro, bis 13 Jahre 170, ältere 300 bis 800 Euro. Wer eine Katze aus dem Heim holt, zahlt 109 Euro
"Eine Katze kostet uns zehn Euro am Tag, bleibt im Schnitt 42 Tage bei uns", verteidigt Tierheimchef Wolfgang Poggendorf die umstrittenen Gebühren. "Wir streben keine Gewinne, aber Kostendeckung an." Außerdem: "Wer von Oma ordentlich geerbt hat, kann auch das Geld für die Unterbringung ihrer Katzen zahlen."
Der HTV hat 70 Mitarbeiter, bekommt von der Stadt eine Million Euro pro Jahr für die Versorgung von jährlich rund 8000 Fundtieren.
Zum Vergleich: Das private Franziskustierheim (www.franziskustierheim.de) berechnet 30 Euro pro Katze plus 30 Euro, wenn Impfungen nötig sind. Heimleiter Jens Klemme sieht die Gebühren des HTV kritisch: "Zu uns kommen oft Leute, die die Unterbringung in der Süderstraße nicht zahlen können."
Auch bei Jenny Burmeister von der "Katzenschutzgruppe Winterhude" landen mehrmals pro Woche Menschen, die von den Summen im HTV-Tierheim geschockt sind.
"Neulich waren es neun Katzen an einem Tag", erzählt die ehrenamtliche Tierschützerin. Eine alte Dame ist ins Heim gekommen, ihr Betreuer gab ihre Katze ab. Eine Frau kam mit dem traurigen Stubentiger ihres Nachbarn, der ohne sein Haustier umgezogen ist.
Lydia Caremi, Mitarbeiterin einer Wohnungsverwaltung, brachte die Katze eines Mieters, dessen Wohnung geräumt wurde: "Das Tierheim wollte uns 300 Euro berechnen", sagt sie, "da haben wir andere Möglichkeiten gesucht."
Gegen eine Spende kümmert die Katzen-Schutzgruppe sich nun um Impfungen und ein neues Zuhause für die heimatlosen Samtpfoten. In der Zwischenzeit werden die Vierbeiner auf eigene Kosten in privaten Pflegestellen versorgt.
"Wir zahlen aus eigener Tasche, weil der Tierschutzverein die Leute abschreckt", schimpft Jenny Burmeister. Eine Katze in Not zurückzuweisen, kommt trotzdem nicht in Frage: "Das machen wir natürlich nicht."
Rechtsanwalt Friedrich Engelke, früherer Schatzmeister des HTV, stimmt zu: "Der Verein profitiert von dem butterweichen Herzen der Frau Burmeister."
