15.08.2005 - Stadt zahlt für Hunde mehr als für Hartz-IV-Empfänger
15.08.2006, BILD
Nimmt Hamburg Tiere wichtiger als Menschen?
Hartz-IV-Empfänger bekommen 345 Euro im Monat. Das Tierheim zahlt für Hunde 570 Euro
Von Tim Thorer
Hamm-Süd - Sie sitzen im Tierheim und kosten, kosten, kosten.
Mehr als 1,3 Millionen Euro müssen Hamburgs Steuerzahler für Eichhörnchen, Hunde, Katzen und Co. im Tierheim Süderstraße aufwenden.
Viele Tiere werden abgegeben, gepäppelt und weiter vermittelt.
Doch andere werden von der polizei gebracht, sichergestellt nach Straftaten. Wie die Ratte "Knut". Das Tier ist an den Hinterbeinen gelämt und wurde halbverhungert eingeliefert,
Deshalb erstattete die Polizei Anzeige wegen Tierquälerei (BILD berichtete). Bis zum Abschluss der Ermittlungen darf Knut nicht vermittelt werden - und kostet drei Euro pro Tag, bis jetzt also 172 Euro. Wahnsinn oder Tierliebe?
"Wir haben die Verpflichtung, Tiere aufzunehmen und zu pflegen", sagt Tierheim-Chef Wolfgang Poggendorf. Alleindurch sichergestellte Tiere entstehen dem Heim so jährlich etwa 250.000 Euro Kosten.
Wie irrwitzig der Aufwand für manche Tiere ist, zeigt eine simple Rechnung: Für einen Hund muss das Tierheim jeden Monat rund 570 Euro aufwenden - 225 Euro mehr, als der Staat für einen Hartz-IV-Empfänger ausgibt.
Sind Tiere mehr wert als Menschen?
Für manche Leistungen und Behandlungen, die Kaninchen, Hunde und Katzen in der Süderstraße bekommen, wundern sich sogar Ärzte und Tierpfleger.
So bekommen Eichhörnchen, die Verdauungsprobleme haben, eine Analmassage.
Eine maurische Landschildkröte (mit Atembeschwerden und zu langem Schnabel) kostet 2 Euro am Tag. Vermittelt werden kann sie aber nur mit Zustimmung der Naturschutzbehörde, weil sie den höchsten Artenschutz genießt. Das Tierheim rechnet mit einem mindestens 6monatigem Aufenthalt, macht 360 Euro.
Pfleger und Tierärzte haben häufig nur 10 Minuten Zeit, um sich mit einem Tier zu beschäftigen: Zuviele Patienten (im Jahr rund 8.000), zu wenig Geld. Ein Dilema, das kaum zu lösen ist.
