22.09.2003 - Poggendorf fordert 1, 5 Millionen Zuschuss
22.09.2003, MOPO
Hilferufe aus dem Tierheim
SANDRA SCHÄFER
Beißwütige Kampfhunde, ausgesetzte Katzen und seltene Giftschlangen - bisher können sie alle rund um die Uhr im Tierheim Süderstraße abgegeben werden. Damit ist vielleicht bald Schluss. Denn die Stadt und der Tierschutzverein streiten sich über die Zuwendungen fürs Tierheim. Vereinschef Wolfgang Poggendorf will in Zukunft jährlich 1,5 Millionen Euro haben - statt wie bisher 260 000 Euro. Die Stadt hält diese Summe für illusorisch.
Die Verhandlungsbasis für die Umweltbehörde ist denkbar schlecht. Denn das Tierheim hat regelrecht Monopolcharakter. In der Süderstraße werden jedes Jahr 11 000 Tiere aufgenommen, darunter auch Exoten und Quarantänefälle. Wenn das Tierheim die Tore schließt, würden binnen kürzester Zeit tausende ausgesetzter und kranker Hunde, Katzen und Kaninchen durch die Straßen der Stadt streichen.
Die Unterhaltung des Tierheims kostet jährlich rund fünf Millionen Euro. Den Großteil dieser Summe finanziert der Hamburger Tierschutzverein über Mitgliedsbeiträge, Tiervermittlungen, Erlöse aus Vermietungen und Spenden. Doch längst sitzt das Geld nicht mehr so locker. "Es werden viel kleinere Summen gespendet und vererbt als bisher", sagt Poggendorf. "In den vergangenen vier Jahren haben wir vier Millionen Euro aus unserer Reserve ins Tierheim gesteckt." Das sei einfach zu viel.
Eine Einigung mit Umwelsenator Peter Rehaag ist nicht in Sicht. Der Ton wird schärfer. Poggendorf: "Die Kooperation mit den vorangegangenen Senatoren war viel besser, heute kann man das wirklich vergessen. Das sind die schlechteren Tierschützer."
In den Regierungsparteien ist hinter vorgehaltener Hand von Erpressung die Rede und dass Poggendorf gefälligst die Spendenmillionen auf dem Konto des Tierschutzvereins einsetzen solle. Offen wird vor allem damit gedroht, dass die Stadt sich Alternativen sucht. Burkhardt Müller-Sönksen (FDP): "Wir brauchen mehr Wettbewerb, auch in Sachen Tierschutz." Sein Partei-Kollege Ekkehard Rumpf nennt Namen: "Das Franziskus-Tierheim ist auch sehr engagiert." Und bei einem Zuschuss von 1,5 Millionen Euro müsse die Stadt sich überlegen, ob sie das nicht selbst billiger könne.
Michael Fuchs, Tierschutzexperte der CDU, sieht keine Alternativen zum Tierheim Süderstraße. "Aber in Zeiten, in denen auch für Kindergärten nicht mehr Geld vorhanden ist, können dem Tierschutzverein solch unrealistische Forderungen nicht erfüllt werden."
