23.12.2006 - "Stellen Sie sich eine alt Dame mit Dackel vor..."
23.12.2006, WELT
Tierschutzverein - "Hamburg drückt sich um Verantwortung für 8000 Tiere"
Der Vertrag zwischen Stadt und Tierheim ist überfällig.
Doch es gibt Streit ums Geld: "Spenden dürfen nicht Haushaltslöcher stopfen", sagt der Verein.
Von Florian Hanauer
Foto: DW Aug in Aug mit dem Welpen: Wolfgang Poggendorf ist Vorsitzender des Tierschutzvereins
Rund 8000 Tiere werden in Hamburg jedes Jahr von staatlichen Stellen aufgegriffen und in das Tierheim Süderstraße gebracht.
Das macht den Löwenanteil der 10 800 Hunde, Katzen und anderen Tiere aus, die jährlich in Deutschlands zweitgrößtem Tierheim ein- und ausgeliefert werden.
Kommendes Jahr könnte dies vorbei sein: Denn bisher gibt es keinen Vertrag zwischen dem "Hamburger Tierschutzverein 1841 e.V." und der Gesundheitsbehörde, wie mit den Tieren umzugehen ist.
Doch während die Behörde Optimismus ausstrahlt, schlägt Wolfgang Poggendorf, Vorsitzender des Tierschutzvereins, Alarm.
"Es gab immer unbefristete Verträge zwischen dem Senat und dem Tierschutzverein", sagt Poggendorf, "erst dieser Senat hat das geändert.
Der jetzige Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Seit April stehen die Verhandlungen aus." Bis Ende Januar werde der Verein die Tiere von sich aus noch übernehmen, wenn es dann aber keine neue Vereinbarung gebe, sei Schluss.
Der Senat tue sich schwer mit karitativen Aufgaben. "Aber wie man mit uns und den Tieren umgeht, ist erniedrigend."
Um drei Gruppen von Tieren geht es:
Da sind zum einen die "Fundtiere", die ohne einen Menschen nicht überleben könnten.
Dann gibt es die "sichergestellten Tiere", darunter fallen etwa gefährliche Hunde, und schließlich die "Verwahrtiere", deren Herrchen oder Frauchen beispielsweise ins Gefängnis mussten oder gestorben sind. Für diese drei Gruppen ist der Staat verantwortlich.
Und dabei geht es ums Geld: Der Tierschutzverein bekommt von der Stadt 1,65 Millionen Euro im Jahr und nimmt sich dieser Tiere an. Aber:
"Wir haben durch die Aufgaben, die wir für die Stadt übernehmen, eine Unterdeckung von 500 000 Euro. Das mussten wir aus Spendenmitteln bezahlen", empört sich Poggendorf. "Wir sind aber gar nicht berechtigt, aus Spendenmitteln die Stadt zu unterstützen."
Die mehr als 7000 Mitglieder, die der Tierschutzverein habe, gäben ihre Spenden nicht, damit Haushaltslöcher gestopft werden, streicht der Tierschützer heraus. "Wir sind aber kompromissbereit und sagen: Mit zwei Millionen Euro von der Stadt kommen wir zurecht."
Der Tierschutzverein haushalte vernünftig, betont Poggendorf, dies habe der Landesrechnungshof bestätigt. Außer den Mitteln von der Stadt erhalte der Verein mit seinen 77 Beschäftigten rund drei Millionen Euro Spenden im Jahr.
Dem Senat werfen die Tierschützer vor, er habe sich im Umland, bei Tierheimen in Bremen und Cuxhaven etwa, erkundigt, ob diese nicht die Hamburger Tiere übernehmen können - aber von dort nichts als Absagen erhalten.
"Stellen Sie sich das einmal vor", meint Poggendorf, "eine ältere Dame vermisst über Weihnachten ihren Dackel. Soll sie dann nach Bremen fahren, um dort im Tierheim nachzufragen, ob er in Hamburg aufgegriffen wurde?"
Die Gesundheitsbehörde mochte nicht bestätigen, dass daran gedacht wurde, Tiere ins Umland zu geben. Im Gegenteil, dort ist man optimistisch:
"Die Verhandlungen laufen. In vielen Bereichen sind wir zusammen gekommen, im Januar wird weiterverhandelt", sagt Ressortsprecherin Katja Havemeister. "Wir glauben, dass wir die Zusammenarbeit erfolgreich fortsetzen können."
