19.07.2007 - Landeskriminalamt ermittelt: Verdacht der Untreue
19.07.2007, NDR 90,3
Verdacht der Untreue
Die Hamburger Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen den Vorsitzenden des Hamburger Tierschutzvereins, Wolfgang Poggendorf.
Das berichtete NDR 90,3 am Donnerstag. Poggendorf soll Medienberichten zufolge dem Tierschutzverein eine aus einer Erbschaft stammende Wohnung auf Sylt weit unter Wert abgekauft haben.
Nach Angaben von Immobilienmaklern soll der Wert des Appartements rund 100.000 Euro über dem von Poggendorf bezahlten Kaufpreis liegen.
Aufgrund der Presseberichte schaltete sich die Abteilung Wirtschaftskriminalität des Hamburger Landeskriminalamtes ein, ohne dass eine Anzeige erstattet wurde.
"In einen solchen Fall kann man von öffentlichem Interesse ausgehen", sagte Polizeisprecherin Ulrike Sweden zu NDR 90,3. Es handele sich um einen gemeinnützigen Verein, deshalb werde die Polizei von sich aus aktiv.
CDU: Angelegenheit "mehr als grenzwertig"
Zuvor hatten bereits Politiker von SPD und CDU sowie der Bund der Steuerzahler den vereinsinternen Verkauf kritisiert und eine schnelle Aufklärung gefordert.
"Mir fehlen die Worte angesichts dieser Geschichte", sagt der tierpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Michael Fuchs, zu NDR 90,3.
Die Angelegenheit sei "höchst pikant" und "mehr als grenzwertig". "Es scheint, als habe es der Tierschutzverein nicht nötig, sorgfältig mit seinen Werten umzugehen", sagte Marcel Schweitzer vom Bund der Steuerzahler. Deshalb stelle sich die Frage, ob der gemeinnützige Verein nicht zu viel Geld von der Stadt bekomme.
Das von der Polizei eingeleitete Ermittlungsverfahren begrüßte Schweitzer. "Wir erhoffen uns dadurch auch mehr Transparenz hinsichtlich des Finanzgebarens beim Tierschutzverein", sagte er.
Poggendorf für Stellungnahme nicht zur erreichen
Die Gesundheitsbehörde zahlt pro Jahr rund 1,6 Millionen Euro an den Verein, damit im Tierheim Süderstraße ausgesetzte und sichergestellte Tiere betreut werden.
Deshalb stehe der Verein unter besonderer öffentlicher Beobachtung, so der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Andreas Dressel. Die Vorwürfe müssten zuallererst aber vereinsintern aufgeklärt werden.
Poggendorf selbst und seine Anwälte waren NDR 90,3 zufolge für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
