20.10.2007 - Immobilie mit großen Verlusten verkauft
20.10.2007, Abendblatt
Gnadenhof Ellerhoop
Tierschutzverein Die ehemaligen Verwalter des Hofes in Ellerhoop brechen ihr Schweigen Gnadenhof: Neue Vorwürfe gegen Poggendorf Immobilie wurde mit großen Verlusten verkauft, angeblich, weil sie sanierungsbedürftig gewesen sei. Ex-Mitarbeiter Grossmann widerspricht.
Von Ulrich Gaßdorf
Der Hof wurde an Dirk Z. verkauft, obwohl es dafür durchaus weitere Interessenten gab. Doch die kamen laut HTV nicht infrage. Dazu ist in der aktuellen Ausgabe der HTV-Mitgliederzeitschrift "ich & du" zu lesen: "Sie wollten nicht nur die Gnadenhoftiere nicht übernehmen, sondern hatten große Pläne mit dem Hof, die mit dem Tierschutzgedanken nicht in Einklang zu bringen gewesen wären."
Fakt ist jedoch, dass der Gnadenhof-Verkauf ein großes Verlustgeschäft war: Im Jahre 1986 hatte der HTV den Hof, auf dem in erster Linie "in Not geratene Pferde" untergebracht wurden, für umgerechnet rund 960 000 Euro gekauft. In einer HTV-Bilanz von 1993 wurde der Wert des Gnadenhofs mit 2,43 Millionen D-Mark (etwa 1,2 Millionen Euro) angegeben.
Dirk Z. bekam den Gnadenhof zehn Jahre später für die Hälfte - und vom HTV noch ein Geschenk dazu: "Herr Poggendorf hat ihm einen neuwertigen "Fendt"-Trecker einfach so dazugegeben, obwohl ich dafür bereits einen Käufer an der Hand hatte", sagt Bernd Grossmann. Als er seinen Chef Poggendorf darauf aufmerksam machte, habe dieser nur gesagt: "Das Geld brauchen wir nicht. Der Herr Z. bekommt alle Maschinen."
Das Abendblatt hätte gerne Wolfgang Poggendorf, gegen den die Staatsanwaltschaft zurzeit in zahlreichen Fällen wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, die Möglichkeit zu einer Stellungnahme gegeben. Aber, wie berichtet, hatte der Hamburger Rechtsanwalt Hartmut Reclam das Abendblatt im Namen des HTV schriftlich dazu aufgefordert, "ab sofort jegliche Anfragen bei unserem Mandanten, seien sie telefonisch, schriftlicher oder elektronischer Art, zu´unterlassen". Auch Katja F., die Immobilien-Gutachterin, die häufig für den HTV arbeitet, war nicht bereit, sich zu äußern.
