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09.11.2006 - Poggendorf gibt Kampfhund nicht heraus

09.11.2006, MOPO, Abstract
Poggendorf lehnt ab
Warum rückt das Tierheim Nugget nicht heraus?

SANDRA SCHÄFER

Sie warten Tag für Tag darauf, dass endlich jemand kommt und sie aus dem Zwinger im Tierheim Süderstraße holt:

80 so genannte Kampfhunde sitzen dort und sind kaum vermittelbar, weil die Hundesteuer von 600 Euro alle Halter abschreckt ("normale Hunde kosten 90 Euro im Jahr).

Erst kürzlich schlug Tierheim-Chef Wolfgang Poggendorf in der MOPO Alarm: Er weiß nicht mehr wohin mit den Vierbeinern.

Komisch: Dabei rückt er sie nicht heraus! Diese leidvolle Erfahrung machten Jens und Anita Althen aus Heidenau (Landkreis Harburg).

Die Eheleute erkannten den von ihnen gezüchteten American Staffordshire Nugget in der MOPO. "Als wir gesehen haben, dass er im Tierheim sitzt, wollten wir ihn sofort dort rausholen", so Züchter Jens Althen.

"Doch als wir Nugget am nächsten Tag abholen wollten, blitzten wir ab", so Anita Althen mit tränenerstickter Stimme.

Sie selbst hat Nugget vor fast sieben Jahren mit der Flasche aufgezogen. Die Mutter "Carnage" lebt noch immer bei Althens.

"Nugget ist ein ganz lieber Familienhund, den können wir an jeden vermitteln", kontert Poggendorf. Aber wieso sitzt das Tier dann noch traurig hinter den Gittern seines Käfigs?

Das zentrale Argument des Tierheims: Althen hat bereits sieben Hunde. "Er ließ durchblicken, dass er den Hund vielleicht weitervermittelt - und das kommt mit uns nicht in Frage", so Poggendorf. Hunde dürften nicht als Ware behandelt werden.

Tatsächlich leben Althens mit sechs Bullterriern in einem Haus mit großem Grundstück bei Heidenau.

Sie züchten seit Jahren nicht mehr. "Wir haben nur noch ein paar unserer alten Hunde, und sie haben hier mehrere tausend Quadratmeter Auslauffläche."

Althen war jahrelang Zuchtwart, Tierschutzinspektor und leitete sogar selbst einmal ein Tierheim.

Die Sache ist nicht nur traurig für den Hund, sondern auch ärgerlich für die Stadt Hamburg.

Statt Nugget zu vermitteln, hat Poggendorf jetzt 15 Kampfhunde nach Brandenburg verschoben.

Pro Tier bekam das Heim dort 460 Euro "Pfotengeld" aus Hamburger Steuergeldern, damit es überhaupt bereit war, die Hunde zu nehmen. Landet auch Nugget bald in Brandenburg?

In der Kritik: Tierheim-Chef Wolfgang Poggendorf

Vor einer Woche berichtete die MOPO über das Schicksal vieler Kampfhunde im Heim

Staffordshire-Hündin Nugget sitzt immer noch im Tierheim