12.02.2008 - Was machte der slowenische Tierarzt mit den "Kampfhunden?
12.02.2008, Abendblatt
Tierschutz Vorermittlungen eingeleitet
42 Kampfhunde sind verschwunden
Die Gemeinde Ahrensfelde prüft jetzt rechtliche Schritte gegen Wachschutzfirma.
Von Ulrich Gaßdorf
So berichtete das Abendblatt am Sonnabend über die offenbar illegale Vermittlung der Kampfhunde nach Brandenburg.
Die 44 offenbar illegal vom Hamburger Tierschutzverein (HTV) nach Brandenburg vermittelten Kampfhunde sind nicht mehr beim Deutschen Wach- und Schutzhund-Service (DWSS) in Blumberg (Gemeinde Ahrensfelde) untergebracht.
Das bestätigte Bürgermeister Wilfried Gehrke (CDU, 46) dem Abendblatt: "Die DWSS hat 42 der Hunde an einen Tierarzt in der Slowakei vermittelt. Wir werden jetzt klären, was danach mit den Tieren passiert ist.
Es wurde aber nach unseren jetzigen Erkenntnissen kein Handel mit den Hunden betrieben. Weitere der Hamburger Hunde wurden von der DWSS an den Tierschutzverein Niederbarnim abgegeben."
Noch in der vergangenen Woche hatte Frank Henning vom TSV Niederbarnim gegenüber dem Abendblatt beteuert: "Wir haben in 2007 keine Hunde aus Hamburg aufgenommen."
Die Gemeinde Ahrensfelde prüft derzeit die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens gegen die DWSS. Grund: "Die Hunde waren nicht gemeldet", so Gehrke.
Wie berichtet, hatte der HTV der Gesundheitsbehörde offiziell mitgeteilt, dass die 44 Kampfhunde (die alle einen Wesenstest bestanden hatten) im Jahre 2007 an den "TSV Barnim" vermittelt wurden - doch dieser Verein existiert überhaupt nicht.
Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. Die 44 Hunde gingen direkt vom HTV an den DWSS und wurden von Geschäftsführer Matthias Köhler nach Abendblatt-Informationen jeweils persönlich in Hamburg abgeholt.
Der ehemalige HTV-Vorsitzende Wolfgang Poggendorf (71) und Köhler gelten als gute Bekannte - der DWSS-Geschäftsführer ist auch HTV-Mitglied. Und die 550 Euro "Pfotengeld" pro Hund für die Aufnahme der Tiere, die bekam Köhler wohl immer sofort:
"Das Vermittlungsentgelt ist Herrn Köhler nach meinen Informationen jeweils bei Abholung der Hunde übergeben worden", bestätigte HTV-Notvorstand Hauke Maschweski. Die 550 Euro pro Hund werden dem HTV von der Stadt erstattet.
Hätte die Stadt den Verbleib der Hunde genauer prüfen müssen? "Der HTV hat im Rahmen des Hamburger Hundegesetzes und unserer vertraglicher Abmachungen die erforderlichen Nachweise über die Vermittlung erbracht", sagte Gesundheits-Staatsrat Dietrich Wersich (CDU) dem Abendblatt.
Staatsrat Wersich setzt sich jetzt für eine schnelle Aufklärung der Vorgänge ein und betonte: "Wir arbeiten in dieser Angelegenheit eng mit Brandenburg zusammen."
Für SPD-Innenexperte Andreas Dressel steht indes fest: "Es geht hier nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern es steht der Verdacht im Raum, dass illegal mit Kampfhunden gehandelt wurde. Die zuständigen Hamburger Behörden können ihre Hände nicht in Unschuld waschen, wenn im Rahmen des Hamburger Hundegesetzes Tiere in andere Bundesländer vermittelt werden."
