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14.12.2007 - Politische Kategorien von "links" und "rechts" sind ab heute ungültig

14.12.2007, Claus-Dieter Kraft
Kleine Systemtheorie von menschlichen Gesellschaften

Kategorisierung
Die Kategorisierung politischer Menschen und Gruppen in den Kategorien linksextrem, links, rechts und rechtsextrem sind für die Beschreibung der politischen Strömungen in diesem Jahrtausend nicht mehr akzeptabel.

Sie waren im Industriezeitalter zutreffend, in dem sich diese Gesellschaft schon lange nicht mehr befindet.

Der Begriff der "Mitte" ist eine politische Floskel, die in der Realität keine Bevölkerungsgruppe trifft.

Um die Welt in diesem Jahrtausend zu verstehen, müssen wir die Menschen im politischen Geschehen in Autokraten und Demokraten kategorisieren.

Innerhalb der Autokraten gibt es Menschen mit totalitärer und, abgemildert, mit autoritärer Lebenseinstellung, die sich privat und beruflich in Handlungen ausprägt.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die als Demokraten kategorisiert werden können. Innerhalb dieser Gruppe von Menschen gibt es kooperative und konstruktive Demokraten.

Politik ist aber nur ein Wirkungsbereich von Menschen. Deswegen müssen wir auf die Ebene der Menschentypen die unterste Ebene menschlicher Gemeinschaften sehen.

Menschentypen

In der Systemtheorie menschlicher Gemeinschaften ist der Mensch die kleinste Einheit.

In dieser Theorie, die auf Basis empirischer Analysen entstanden ist, können wir vier mentale Typen von Menschen identifizieren:

- Egomanen (selbst-vergötternd / andere verteufelnd)

- Egozentriker (selbst-verherrlichend / andere verachtend)

- Egoisten (selbst-bezogen / andere benutzend)

- Realisten (selbst-achtend / andere beachtend)

So lassen sich z.B. die Begriffe Zynismus (grausamer Spott) dem Egomanen, Sarkasmus (beißender Spott) dem Egozentriker, Ironie (versteckter Spott) dem Egoisten und Humor (tiefgründiger Witz) dem Realisten zuordnen.

Egomanen, wenn sie politisch in den höchsten Führungspositionen aktiv sind, entwickeln immer totalitäre, Egozentriker autoritäre, Egoisten kooperative und Realisten konstruktive Herrschaftssysteme auf der Gesellschaftsebene, auf der sie Verantwortung tragen.

Ursprünge
Ich kenne keine Hinweise auf genetisch vorprogrammierte Menschentypen, aber eine große Anzahl an Fällen, in denen erwachsene Egomanen auch in der Familie egomanisch sozialisiert worden sind.

Mentale Entwicklungsphasen in der Kindheit
Außerdem gibt es eine Fülle von Hinweisen darauf, dass jeder Mensch eine egomanische, eine egozentrische, eine egoistische und eine realistische Entwicklungsphase durchläuft, bis er sich zum Erwachsenen ausgebildet hat.

Es gibt viele Indizien, dass jede einzelne Phase mental ohne Störungen durchlaufen werden muss, damit die nächste Entwicklungsphase gestartet werden kann.

Tendenziell beginnt die Egoismusphase mit der Pupertät und geht dann über in die Realismusphase, die sich hauptsächlich durch das Leben in den Jugendgruppen ausprägt.

Viele analysierte Fälle, in denen Egomanen, Egozentriker, Egoisten und Realisten in den Führungspositionen unserer Gesellschaft wirken, lassen sich zurückführen auf eine entsprechende Sozialisation dieser Menschen in ihren Familien.

Diese Familien sind immer in eine Gesellschaftskultur eingebettet, die ihrerseits auf die Familienkultur einwirkt und die Erziehungen von Kindern direkt beeinflusst.

Entwicklungsphasen von Gesellschaften
Aus der Entwicklung von Gesellschaften lässt sich beobachten, dass eine Gesellschaft mit totalitärer Herrschaftskultur zunächst in eine Gesellschaft mit autoritärer Herrschaftsform zu transformieren ist.

Warum? Weil die Menschen, die in einer totalitären Kultur sozialisiert worden sind, niemals den Sprung in eine Demokratie schaffen können, weil diese wiederum Lebensformen mit gut ausgebildeten Menschen voraussetzt.

Die transformierte Gesellschaft funktioniert nur dann demokratisch, wenn sich die führenden Gesellschaftsmitglieder zu mehr als 50 % aus Egoisten und Realisten zusammensetzen, was wiederum nur funktionieren kann, wenn sich auch die geführten Gesellschaftsmitglieder in ausreichender Anzahl egoistisch und realistisch den Herausforderungen des Lebens stellen können.

Jede Gesellschaft beinhaltet alle vier Formen
Ich kenne nur Gesellschaften, die immer alle vier Formen menschlicher Gruppierungen, d.h. Subkulturen wie Vereine, Verbände, Unternehmen, Institutionen, Parteien, Familien, Ehen usw. beinhalten.

In Deutschland sind wohl totalitäre Herrschaftsformen außerhalb von Familien weitestgehend verbannt worden.

Egozentrische Herrschaftssysteme gibt es allerdings noch in großer Anzahl, wie z.B. gerade die Diskussion um allzu raffgierige Manager zeigt.

Aber auch erfolgreiche Menschen wie Günter Herz (ehemals Tchibo), Stefan Aust (ehemals SPIEGEL), Kai Diekmann (BILD-Chefredakteur), Poggendorf (noch HTV) oder Ole von Beust gehören in die Kategorie "autoritärer Autokrat".

Diese Menschen mit egozentrischer Lebenseinstellung, die anderen Menschen gegenüber nur mehr oder weniger tiefe Verachtung empfinden können, die andere als "Meute" betiteln, als "Würmer" ansehen, für die sie nur eine einzige Aufgabe sehen, nämlich den Autokraten zu dienen, um ihr immaterielles und materielles Vermögen zu mehren.

Zuordnung von Gemeinschaftsformen
Auch lassen sich die Begriffe der Organisierten Kriminalität, der Systemischen Kriminalität, der Organsierten Gesetzmäßigkeit und der Systemischen Gesetzmäßigkeit diesen vier Herrschaftsformen zuordnen.

Alle mafiösen Herrschaftskulturen sind totalitär. Alle korrupten Herrschaftskulturen sind autoritär, wobei Korruption auch in rein immaterieller Form auftreten kann.

Organisierte Gesetzmäßigkeit ist gegeben, wenn die Gemeinschaft auf Basis der Verordnungs- und Gesetzeslage in einer freiheitlich demokratisch organisierten Gesellschaft lebt.

Systemische Gesetzmäßigkeit umfasst nicht nur die geschriebenen gesellschaftlichen Regeln, sondern nutzt auch die ungeschriebenen Gesetze des Lebens sehr bewusst für den Erfolg.

Eine dieser Regeln heißt: In autokratischen Verhältnissen flüchtet menschliche Kompetenz.

Demokratie und Freiheit sind Voraussetzungen für ganzheitlichen wirtschaftlichen Erfolg
Eine Wissenschaftlerin bekam den Nobelpreis für den Nachweis, dass eine freiheitliche und demokratische Grundordnung die Voraussetzung für den ganzheitlichen wirtschaftlichen Erfolg von vielen Mitgliedern einer Gesellschaft ist.

Wir wissen, dass in allen Formen autokratischer Herrschaftssysteme ganz wenige sehr viel Vermögen und die allermeisten Mitglieder ganz wenig Vermögen besitzen.

Linke unterscheidet sich nicht von rechter Autokratie

Die heutigen Begriffe linksextrem und rechtsextrem sind totalitäre Autokraten und linksradikal und rechtradikal sind Eigenschaften von autoritären Autokraten.
Am Anfang habe ich geschrieben, dass wir in diesem Jahrtausend die Begriffe wie links, rechts, mitte nicht mehr verwenden sollten, weil sie unsere Gegenwart nicht mehr beschreiben können.

Es ist völlig absurd, Kommunismus, Sozialismus oder Nationalsozialismus unterscheiden zu wollen, weil sie in Wirklichkeit alles autokratische Herrschaftskulturen sind, in denen wenige ganz viel und die meisten ganz wenig Vermögen haben und deren Methoden der Herrschaftsausübung keinen wesentlichen Unterschied erkennen lassen.

In allen autokratischen Systemen blüht Kriminalität, Korruption, Überwachung bis in die Intimssphäre hinein, psychische und physische Folter, Lug und Betrug und z.T. willkürliches Richten und Sterben. Sie alle betreiben Propaganda, lassen das Volk verdummen und verarmen, arbeiten mit Lug- und Trugbildern, glänzen durch Abwesenheit von Transparenz, Verbindlichkeit und menschlicher Wärme.

Ausmerzt werden in dieser autokratischen Gesellschaftsform Geisteswissenschaften, Intellektuelle und Künstler, Pressefreiheit, Recht usw..

Naturwissenschaften werden gefördert, weil sie die Grundlagen liefern um Waffen, Bomben, Panzer, Flugzeuge usw. zu bauen.

Autokratie transformiert sich
Aus einer Autokratie kann sich, wie in Deutschland, eine Demokratie entwickeln.

Aber wenn der Konsolidierungsprozess für eine Demokratie noch nicht abgeschlossen ist, d.h. die Gesellschaft nicht jede Form von totalitärer UND autoritärer Herrschaftssysteme kollektiv von der Gesellschaft geächtet wind, kann es zu einer Rückentwicklung von einer demokratischen in eine autokratische Kultur kommen.

So ist es nicht verwunderlich, dass die bevorzugte Form autokratischer Kommunikation, dass "Mobbing", in Deutschland noch nicht verboten worden ist.

Das sich die Autokraten, in deren Vorstellung Kindererziehung mehr mit Kinderzüchtigung zu tun hat, als mit Kinderentwicklung in liebevoller Konsequenz, schwer damit tun, Kinderschutz ins Grundgesetz aufzunehmen, ist somit auch klar.

Autokraten sind eindeutig frauenverachtend und frauenfeindlich, was sehr gut bei Eva Herrmann (Buchautorin) und Kai Diekmann (siehe BILD) festzustellen ist.

Automatische Fließrichtung von Lebenselementen in einem lebendigen System
Jedes lebendige System, wie z.B. ein Gesellschaftssystem strebt nach etwas, will irgendwo etwas erreichen.

Autokratische Systeme streben nach sozialer Berherrschungder Gesellschaftsmitglieder.

Demokratische Systeme streben nach sozialer Gerechtigkeit innerhalb der Gesellschaft.

Daraus ergibt sich eine entgegengesetzte Flussrichtung wichtiger Lebenselemente.

Nehmen wir z.B. die Lebenselemente

- Geld
- Informationen
- Verantwortungen
- Entscheidungen

In autokratischen Systemen fließen Geld, Informationen, Verantwortungen und Entscheidungen weg von der gesellschaftlichen Basis hin zu den Spitzenpositionen.

Die gesellschaftliche Basis bilden die Menschen, die keine Führungspositionen besetzen wollen oder können, also die ausführenden Menschen.

In demokratischen Systemen, die nach sozialer Gerechtigkeit streben, fließen Geld, Informationen, Verantwortungen und Entscheidungen von oben nach unten.

Das bedeutet nicht, dass Geld, welches ein Topmanager verdient hat, weggenommen und nach unten verteilt wird.

Freiheit bedeutet, die Chance zu haben

Das bedeutet im Idealfall, dass jedes Mitglied einer Gesellschaft die Chance hat, Geld verdienen zu können, sich zu bilden, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen fällen zu können.

Freiheit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass jedes Mitglied einer Gesellschaft, unabhängig von Parteizugehörigkeit, Herkunft, Hautfarbe, Geschlechtszugehörigkeit usw. die Chancehat, jede Position innerhalb einer Gesellschaft erreichen zu können oder neue zu entwickeln.

Aus genau dieser Chance, aus dieser theoretischen Möglichkeit heraus, entwickeln sich gesellschaftliche Dynamiken, Kräfte und Kompetenzen innerhalb von Demokratien. Das setzt Motivationen in vielfältigen Formen frei.

Autokratie verzichtet auf das unglaubliche menschliche Vermögen, dieses Reservoir an potenzieller menschlicher Kompetenz in Allen Menschen einer Gesellschaft, die den Willen haben, sich entwickeln zu können, wenn sie eine Chance haben.

Deswegen erleben wir in autokratischen Gesellschaften, wie der Willen vieler gebrochen wird, sie in sich zusammenfallen, keine Chancen erkennen können, dahin vegetieren.

Eine Demokratie ist wie ein Regenwald, während Autokratie eher mit einem angelegten Tannenald zu symbolisieren ist.

Bei der Beurteilung der Entwicklung einer Gesellschaft ist die Fließrichtung der Lebenselemente ein wichtiges Indiz dafür, ob wir uns eher in Richtung "mehr Demokratie" oder "mehr Autokratie" entwickeln.

Rückentwicklungsprozess ist in Deutschland bereits im Gange
Die Signale und Indizien für eine Rückentwicklung von einer Demokratie in eine Autokratie in Deutschland sind bereits auf dem Radarschirm zu sehen:

Wachsende Kinderarmut, soziale Spaltung der Gesellschaft, viel zu viele Menschen, die entweder zwei Jobs haben oder Vollzeit arbeiten, aber staatliche Zuschüsse benötigen und auf der anderen Seite Führungsmenschen, die immer unglaublichere Gehälter und Abfindungen erhalten, Bildungsprobleme, blühende Korruption und organisierte Kriminalität, zunehmende Gewalt, explosionsartg steigender Bedarf an privaten Sicherheitsdiensten in der Öffentlichkeit, Zusammenbruch der Kommunikation und des Einflussens zwischen den gesellschaftlich relevanten Gruppen, Angstmacherei vor dem Terrorismus, Preis- und Meinungskartelle, drastische Einschränkungen der Pressefreiheiten, Zunahme an Filz- und Vetternwirtschaft in der Politik, schlechte Kindergeburtenrate, ärmere Familien erhalten weniger Unterstützung (Kindergeld) als reichere, Überalterung der Gesellschaft und der FührerInnen in gesellschaflich relevanten Führungspositionen, Professoren und Lehrern usw..

Kurz: Die soziale Gerechtigkeit ist rückläufig, Chancen für alle nehmen ab, es verdienen immer weniger immer mehr und immer mehr immer weniger.

Es werden immer weniger, auch im internationalen Vergleich, gebildeter und immer mehr immer ungebildeter.

Es wird von der Politik unendlich viel mehr verboten als neue Freiheiten eröffnet.

Die Parteien leiden immer mehr unter Personalmangel, weil die politische Kultur immer mehr von autokratischen Verhaltensmustern geprägt ist, was Kompetenzflucht zur Folge hat.

Hierin finden wir auch die Folge autokratischer Herrschaft: Korruption und andere Kriminalität begann in der Politik zu blühen.

Das wiederum erklärt, warum sich heute die Politiker mit Händen und Füssen gegen wirksame Korruptionsgesetze wehren.

Wer nimmt sich schon selbst seine Erwerbsquellen weg?

Da ist es auch nur folgerichtig, sich die Diäten und Pensionen zu erhöhen und mit dem Finger auf die noch schlimmeren Manager, die ja noch gefrässiger sind, zu zeigen!

Dagegen gibt es nur ein Mittel: Mehr Demokratie und mehr Freiheit!