03.07.2008 - Uni Lüneburg: Das neue Bildungsgeschäft
03.07.2008, Abendblatt
Lüneburg Das neue Bildungsgeschäft
Studiengang nur für Otto - so will die Uni Geld verdienen
Die Leuphania-Universität sucht weitere Firmen. Aus dem Gewinn wird Forschung finanziert.
Lüneburg - Die Universität Lüneburg wird künftig speziell auf Unternehmen und ihre Mitarbeiter zugeschnittene Studiengänge anbieten. "Die Universität will und wird damit Geld verdienen, das in Forschung und Lehre eingesetzt wird", sagte Uni-Vizepräsident Holm Keller.
Im Wintersemester starte ein Programm ausschließlich für Manager der Hamburger Otto Group. "Die zahlt deutlich mehr, als der Studiengang kostet und fördert damit alle Studenten." Der Studiengang und eine zugehörige Stiftungsprofessur seien zunächst auf fünf Jahre befristet. "Wir gehen davon aus, dass wir weitere Studiengänge mit anderen Unternehmen entwickeln werden."
Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Lüneburg kritisierte die Pläne. "Wir halten es unter den derzeitigen Studienbedingungen an der Universität Lüneburg für unhaltbar, wenn sich Unternehmen Studiengänge kaufen. 20 offene Professuren, 90 Lehraufträge sprechen eine deutliche Sprache", erklärte AStA-Sprecher Jörn Gluesen.
Grundsätzlich lehne der AStA Kooperationen nicht ab. Das Land dürfe aber auch nicht aus seiner Verantwortung entlassen werden und müsse die finanzielle Ausstattung der Universität Lüneburg auf das Niveau vergleichbarer Universitäten in Niedersachsen bringen. Mit dieser Forderung waren bereits in der vergangenen Woche rund 300 Studenten auf die Straße gegangen.
Der gestiftete Lehrstuhl wird der Universität zufolge im Bereich des strategischen Managements angesiedelt. Jährlich sollen 20 Nachwuchsführungskräfte der Versandhandelsgruppe in der Seminarsprache Englisch ihre zweijährigen berufsbegleitenden Studien für den Master of Business Administration (MBA) aufnehmen. Neben Managementfähigkeiten, Controlling und Rechnungswesen sowie Strategie-, Innovations- und Wachstumsthemen sollen auch unternehmens- und branchenspezifische Lerninhalte vermittelt werden.
Die Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen hatte Anfang des Jahres empfohlen, in Lüneburg Schwerpunkte in den Bereichen Kulturforschung, Nachhaltigkeitsforschung, Management und Unternehmerisches Handeln sowie Lehrerbildung zu schaffen und zum Beispiel den Studiengang Sozialarbeit/Sozialpädagogik einzustellen. Die Studenten fürchten nun, dass wegen knapper Finanzen Fachbereiche gegeneinander ausgespielt werden.
Bereits vom kommenden Wintersemester an soll nach dem Willen des Präsidiums der Studiengang Sozialarbeit/Sozialpädagogik geschlossen werden.
Dies widerspreche den Anforderungen des Marktes, weil angesichts zunehmender Armut die Nachfrage nach gut ausgebildeten Sozialarbeitern steigen werde, hatte das betroffene Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik kritisiert.
Gegen die drohende Schließung haben sich auch 50 Dekane deutscher Hochschulen in einem offenen Brief ausgesprochen. Proteste kommen auch von Stadt, Landkreis, Parteien, Verbänden und Gewerkschaften.
dpa
