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31.07.2008 - Genossenschaft: Verprasst der Vorstand Geld?

31.07.2008, Abendblatt
Wohnungsgesellschaft: Mitarbeiter und Mitglieder erheben schwere Vorwürfe
Genossenschaft: Verprasst der Vorstand Geld?
Es geht um Besuche in Luxusrestaurants und teure Hotelaufenthalte. Außerordentliche Versammlung soll zur Klärung beitragen. Vorstände weisen alle Vorwürfe zurück.

Von Ulrich Gaßdorf

Aufstand der Mitglieder und Mitarbeiter der traditionsreichen Wohnungsgenossenschaft Hamburg-Wandsbek von 1897 (WHW): "Der Vorstand ist unfähig und muss ausgewechselt werden. Ich bin bestürzt, wie hier das Geld der Mitglieder verbrannt wird", sagt Björn Hauto (47) dem Abendblatt.

Der Friseurmeister ist Mitglied der Vertreterversammlung. Das 71-köpfige Gremium vertritt die Interessen der rund 4300 Mitglieder der Genossenschaft und will jetzt einen Antrag auf Einberufung einer außerordentlichen Vertreterversammlung stellen.

Auf dieser soll die fristlose Kündigung der Vorstände Verena Helle und Martin Hornig sowie die Abwahl des sechsköpfigen Aufsichtsrats auf der Tagesordnung stehen.

Zu dieser Sitzung muss der Aufsichtsrat mit einer Ladungsfrist von mindestens zwei Wochen einberufen, wenn das mindestens ein Drittel der Vertreter fordern.

Bereits am Dienstag waren rund 35 Vertreter mit Mitarbeitern zu einem Krisentreffen zusammengekommen - die Liste der Vorwürfe ist lang:

Der Vorstand lädt Aufsichtsräte und Geschäftspartner häufig zu Essen in Hamburger Nobelrestaurants ein: Alleine am 4. Juni wurde für 1500 Euro im Le Canard an der Elbchaussee gespeist. Bei einem Besuch im März betrug die Rechnung in dem Gourmetrestaurant 351 Euro.

Nach Unterlagen, die dem Abendblatt vorliegen, wurde zudem im Sterne-Restaurant "Das kleine Rote" und beim Feinschmecker-Franzosen La Mirabelle gespeist. Außerdem gibt es häufige Essen beim Edelgriechen Minas.

Obwohl es eine eigene Vermietungsabteilung gibt, wurde eine Maklerin eingeschaltet, die momentan 20 Wohnungen der Genossenschaft vermitteln soll und dafür eine Courtage erhält.

Außerdem wird kritisiert, dass Personalagenturen für die Vermittlung von neuen Mitarbeitern eingesetzt werden. Im vergangenen Jahr erhielten Personaldienstleister mehr als 37 000 Euro von der Genossenschaft.

Finanzielle Situation der Genossenschaft: Vor Kurzem hatte sich die Mehrheit der 26 Mitarbeiter in einem Brief an die Vertreterversammlung gewandt und ihre besondere Sorge "um die finanzielle Situation der Genossenschaft" kundgetan.

"Aus den Bilanzen der letzten Jahre ist der drastische Rückgang des Eigenkapitals ersichtlich", heißt es weiter in dem Schreiben. Zum Vergleich:

Das Eigenkapital ist seit 2002 um rund 1,36 Millionen Euro auf rund 12,957 Millionen Euro gesunken.

WHW-Vorstand Verena Helle weist im Gespräch mit dem Abendblatt sämtliche Vorwürfe als "haltlos" zurück: "Dem Unternehmen geht es finanziell gut. Es wurden in den vergangenen Jahren umfassende Modernisierungen durchgeführt, um den Wohnraum gut vermieten zu können."

Auch die Treffen in Nobelrestaurants findet Helle unproblematisch: "Die Essen im Le Canard waren eine Ausnahme und zu besonderen Anlässen. Die weiteren Bewirtungen haben sich aus dem Geschäftsablauf ergeben."

Und zu den weiteren Vorwürfen sagte Helle: "Durch die mangelnde Leistung unserer Mitarbeiter ist es in der letzten Zeit zu größeren Leerständen gekommen. Deshalb haben wir eine Maklerin beauftragt."

Auch die Einschaltung der diversen Personaldienstleister sieht Helle nicht als Verschwendung: "Wir mussten eine Führungsposition und diverse neue Stellen besetzen."

Aber unterdessen erwägen nach Abendblatt-Informationen Mitglieder der Vertreterversammlung, die Vorstände bei der Staatsanwaltschaft wegen Untreue anzuzeigen.

Wirtschaftsprüfer Olaf Seligmann vom Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) wollte sich konkret zur WHW nicht äußern, sagte aber:

"Eine Genossenschaft gehört den Mitgliedern. Das heißt, der Vorstand muss mit dem Vermögen der Genossenschaft sorgsam im Sinne der Mitglieder umgehen. Ausgaben, die außerhalb der Belange der Genossenschaft liegen, sind unzulässig."