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14.08.2008 - Staatsanwälte ermitteln bei Zahnarztkette: Betrugsverdacht

14.08.2008, Abendblatt
Zahnarztkette: Betrugsverdacht
Staatsanwälte ermitteln gegen McZahn

Importe aus China falsch deklariert?Unternehmen weist Vorwurf zurück und belastet einen früheren Vorstand.

Von Sophie Laufer

Hamburg - Die Billigzahnarztkette McZahn steht unter Betrugsverdacht. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittle gegen die Firma wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug und Urkundenfälschung, sagte Staatsanwalt Ralf Meyer.

Bereits am Dienstag waren die Geschäftsräume des Unternehmens in Willich durchsucht worden. McZahn soll Zahnersatz aus China bei den Krankenkassen zu hoch abgerechnet haben. Dafür habe die Zahnarztkette sogenannte Konformitätserklärungen gefälscht.

Die weisen nach, dass Zahnersatz aus dem Ausland deutschen Standards entspricht, womit er nach deutschen Gebühren abgerechnet werden kann.

Die Vorwürfe gehen nach Angaben Meyers bis September 2007 zurück. Seitdem sei ein Schaden von 800 000 Euro entstanden. Sollten sie sich bestätigen, drohen den Verantwortlichen nach Angaben der Behörde Geld- oder Haftstrafen.

Das Unternehmen veröffentlichte als Reaktion auf die Anschuldigungen einen Brief auf seiner Internetseite: "Dieser Vorwurf ist unrichtig. McZahn hat nach gesetzlichen Vorschriften abgerechnet. Sämtliche Abrechnungsunterlagen wurden von den zuständigen Kassenzahnärztlichen Vereinigungen geprüft." Zudem belastete McZahn den Ex-Vorstandschef Werner Brandenbusch.

Das Unternehmen habe bis Ende Juni Zahnersatz über die Importgesellschaft Silverline-Dental eingeführt, deren Alleingesellschafter und Geschäftsführer Werner Brandenbusch sei, hieß es. Der war bis Ende Juni 2008 auch Vorstand von McZahn, sei aber wegen Meinungsverschiedenheiten mit Investoren und Mitgliedern des Vorstands ausgeschieden.

"Richtig ist, dass die Silverline GmbH sogenannte Konformitätserklärungen für aus China eingeführten Zahnersatz zeitweise formal nicht ordnungsgemäß ausgestellt haben soll", so das Unternehmen weiter. McZahn habe darauf mit personellen Konsequenzen reagiert.

So wurde am 6. August ein neuer Aufsichtsrat gewählt, zu dessen Aufgaben es unter anderen gehöre, Schadenersatzforderungen zu prüfen. "Die McZahn AG wird mit der Staatsanwaltschaft kooperieren, um die Vorwürfe zu klären." McZahn betreibt derzeit in Deutschland acht Zahnarztpraxen, drei weitere sind geplant.

In der Branche hatte es bereits vor einigen Jahren einen großen Betrugsskandal gegeben. So wurden im Herbst 2004 drei Gesellschafter der aufgelösten Mühlheimer Dentalfirma Globudent vom Duisburger Landgericht wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu bis zu drei Jahren Haft verurteilt.

Sie hatten gestanden, mit aus China importiertem Billigzahnersatz Kassen und Patienten systematisch betrogen zu haben. Zahnarztpraxen in der ganzen Bundesrepublik hatten mit den Betrügern zusammengearbeitet und den Billigzahnersatz bei den Krankenkassen zum Höchsttarif abgerechnet. Für den Schwindel kassierten sie Schmiergelder.