19.06.2008 - Tierschutz-Anwalt Engelke misst mit zweierlei Maß
19.09.2008, MOPO
UNTER BESCHUSS
Tierschutz-Anwalt Engelke
Der Jurist misst mit zweierlei Maß
STEPHANIE LAMPRECHT
Friedrich Engelke: Für den Hamburger Tierschutzverein ist der Anwalt die große Hoffnung im zivilrechtlichen Kampf der Tierschützer gegen den raffgierigen Ex-Chef Wolfgang Poggendorf, der den Verein um viel Geld gebracht hat. Auf der anderen Seite vertritt er seit vielen Jahren die Vorsitzende des Vereins "Bürger gegen Tierversuche", Simone Runde, die sich aus Spendengeldern jahrelang ihr Privatleben finanziert hat (MOPO berichtete). Wie geht das?
Reginald Puhl, Filmproduzent ("Ware Tier") und Tierschützer, versteht das Verhalten des renommierten Juristen nicht: "Diese Doppelzüngigkeit hat einen unangenehmen Beigeschmack. Frau Runde gehört in die gleiche Kategorie wie Herr Poggendorf, aber was er bei Wolfgang Poggendorf anklagt, verteidigt er bei seiner Mandantin."
Friedrich Engelke hat Vereinschefin Runde beraten, als sie sich im Jahr 2006 ihren Abschied von der Vereinsarbeit mit einer Abfindung von 36000 Euro versüßen ließ. Mitglieder wollen nun auf Rückzahlung des Geldes klagen. Der Abfindungsbeschluss, den Engelke formuliert hat, sei rechtswidrig zustande gekommen.
Engelke wusste, dass Simone Runde (Engelke: "Meine liebe, langjährige Mandantin") zuvor mindestens vier Jahre lang ein Monatsgehalt von 4500 Euro brutto erhielt, insgesamt also mindestens 216000 Euro aus Spenden und Erbschaften eingesackt hat. Geld, das für den Kampf gegen Tierversuche bestimmt war.
In den letzten Jahren hat Simone Runde darüber hinaus hohe private Telefonrechnungen und zahlreiche private Taxenfahrten dem Verein aufgebürdet, obwohl keine Aktivitäten mehr im Tierschutz stattfanden.
Engelke, der das Finanzgebaren des Wolfgang Poggendorf öffentlich mit scharfen Worten geißelte, verteidigt die Gier seiner Mandantin: "Dieses Monatsgehalt wurde jedes Jahr vom Vorstand abgenickt. Auch die Vorstandsmitglieder, die jetzt so laut schreien, haben die Jahresabschlüsse meiner Mandantin immer entlastet und auch der Abfindung zu gestimmt." Außerdem, so der Jurist, habe "jeder Mensch das Recht auf eine angemessene Verteidigung. Auch Frau Runde und Herr Poggendorf."
Anwältin Martina Stoldt, die für "Bürger gegen Tierversuche" die Abfindung von der Raffke-Chefin zurückfordert: "Ich habe großen Respekt vor der Arbeit, die Herr Engelke in Sachen Hamburger Tierschutzverein offenbar geleistet hat. Umso mehr wundert mich, dass jemand, der sich dort so viel Mühe gibt, um einen Missstand zu beenden, an anderer Stelle den Misstand unterstützt."
