28.06.2008 - Veruntreuung von Entwicklungshilfe
28.06.2008, Abendblatt
Korruption in Tansania: Hamburgerin von der Kirche suspendiert
Von Sascha Balasko
In Tansania ist in den Jahren 2001 bis 2004 kirchliche Entwicklungshilfe aus Deutschland veruntreut worden.
Laut "Frankfurter Rundschau" geht es um 300 000 Euro der evangelisch-lutherischen Kirche. Geld aus deutschen Steuereinnahmen und Spenden. Klaus Schäfer, Direktor des Nordelbischen Missionszentrums (NMZ) in Hamburg, räumte den Korruptionsfall ein.
Nach Bekanntwerden wurde eine Mitarbeiterin aus Hamburg, die in der kirchlichen Finanzverwaltung im tansanischen Makete arbeitete, ihres Postens enthoben.
Laut Schäfer sind in der fraglichen Zeit aus Hamburg lediglich 6000 Euro nach Tansania überwiesen worden. "Dieses Geld ist aber ordnungsgemäß verwendet worden. Dafür gibt es Belege."
Aus dem Rechenschaftsbericht des Missionszentrums geht allerdings noch eine weitere Zahlung von rund 1250 Euro hervor.
Diese war bestimmt für eine Operation des damaligen tansanischen Bischofs Shadrack Manyiewa. Dieser wiederum steht im Mittelpunkt des Korruptionsfalles.
Laut "Rundschau" soll er dafür gesorgt haben, dass die 300 000 Euro nie bei den Menschen angekommen sind, für die sie gedacht waren.
Danach soll der Kirchenobere große Beträge abgezweigt, Löhne doppelt oder an Verstorbene ausgezahlt haben. Sich selbst habe er für 60 000 Euro einen Geländewagen finanziert.
Neben dem Hamburger Missionszentrum sind vor allem das evangelische Hilfswerk "Mission Eine Welt" aus Bayern und die sächsische Kirchenprovinz von dem Korruptionsskandal betroffen.
Das Nordelbische Missionszentrum hat erst im Februar dieses Jahres über die Unregelmäßigkeiten in Tansania auf seiner Internetseite informiert - fast vier Jahre nach dem Bekanntwerden.
Direktor Schäfer, seit drei Jahren im Amt, räumt nun ein, dass es sinnvoller gewesen wäre, dies früher zu tun. "Dennoch haben wir 45 Kirchengemeinden, die in Kontakt mit Tansania stehen, informiert", so Schäfer. "Zudem ist die Summe von 6000 Euro überschaubar. Und die wurde auch nicht veruntreut."
Dass auch die ehemalige Entwicklungshelferin aus Hamburg Geld veruntreute, dafür hat das Missionswerk keine Beweise. Sie sei wegen der Unregelmäßigkeiten in den Büchern zur Rede gestellt worden. "Dabei hat sie die Aussage verweigert. Deshalb haben wir sie abberufen", so Schäfer.
2004 hat das Missionszentrum die Zahlungen nach Tansania gestoppt. Wann wieder Geld fließt, ist ungewiss.
