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Staatsvermogen fließt in Großprojekte - Was passiert?

Folgen von Großprojekten, Großunternehmen und Einkaufszentren
Der Einfluss von Großkonzernen auf die gesellschaftliche Entwicklung hat schon lange die Grenzen des positiven Beitrags überschritten.

Nehmen wir eine fiktive Stadt, die etwa die Größenordnung von Hamburg hat, zur Illustration der systemischen Auswirkungen von Großkonzernen und Großprojekten im Baugewerbe auf eine Stadt.

Jede Stadt ist immer "im Bau".

Auf der einen Seite geht es um Neubauten und auf der anderen Seite um Sanierungs- und Erweiterungsbauten.

Jede Stadt hat immer viel zu wenig Geld, um all das zu realisieren, was wünschenswert wäre.

Großunternehmen sind nicht nur einfach Großunternehmen. Sie verfügen zusätzlich über große Netzwerke an Firmen, mit denen sie in irgendeiner Form verbandelt sind, wie z.B. über Unternehmensbeteiligungen.

Großunternehmen brauchen Großprojekte, um zu wachsen.

Ein Großprojekt fängt bei einer Auftragssumme im zweistelligen Millionenbereich an.

Jede Stadt kann sich nur wenige Großprojekte leisten, weil es eine Unmenge an mittleren und kleinen Bauprojekten gibt, um bestehende Infrastrukturen, wie z.B. Turnhallen, Sportplätze, Schulen, Straßen, Radfahr- und Fusswege, Bahnhöfe, Öffentliches Verkehrsnetz, Lärmschutzmaßnahmen, usw. finanzieren zu können.

Wenn also eine Stadt sich viele Großprojekte leistet, werden viele Großfirmen in die Stadt kommen, die meistens nicht in der Stadt ansässig sind.

Mit ihnen kommen Mitarbeiter aller Art ebenfalls in die Stadt, die auch nicht in der Stadt wohnen.

Von den Großfirmen kommen auch die Finanz-, Rechtsanwalts-, Steuerexperten, Subventions- und Zuschussexperten Handwerksmitarbeiter, Architekten, Bauplaner, Ingenieure usw., Baumateriallieferanten, Transportunternehmen usw. in unsere fiktive Stadt.

Großprojekte, die von der Stadt geplant, genehmigt und beauftragt werden, entziehen also erstmal den vielen mittleren und kleinen Projekten die Finanzierungsgrundlage.

Stadtentwicklungsprojekte aller Art werden zugunsten der Großprojekte "auf Eis" gelegt. Die Stadt verrottet in unseren fiktiven Beispiel also langsam.

Das hat natürlich systemische Konsequenzen, weil eine Vielzahl von in dieser Stadt ansässigen kleinen und mittleren Unternehmen, die ihre Steuern auch in dieser Stadt bezahlen und die Mitarbeiter eben auch aus diser Stadt beschäftigen, die wiederum auch ihre Steuern in dieser Stadt abgeben.

Diese vielen mittleren und kleinen Firmen wiederum nehmen Steuerberater, Rechtsanwälte, Finanzexperten, Lieferanten, Architekten, Handwerker, Ingenieure usw. ebenso in der Regel aus dieser Stadt.

Diese Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten wiederum beschäftigen in der Regel auch Mitarbeiter aus dieser Stadt und lassen sich in den Filialen der Sparkassen und Banken aus genau dieser Stadt beraten.

Wenn die Stadt das Verhältnis für die Auftragsvergabe für Groß-, Mittel- und Kleinprojekte so verändert, dass, sagen wir mal, wenn wir ein gesundes Auftragsverhältnis 20 : 50 : 30 annehmen, plötzlich ein 70 : 20 : 10 Verhältnis wird, dann ist klar, dass die mittlere und kleine Unternehmenswelt in dieser Stadt zum so empfindlich getroffen wird, dass ein Unternehmenssterben eintritt.

Dass setzt sich natürlich bei den Steuerberatern, Rechtsanwälten, Bankfilialen usw. fort, den die Geldmittel fließen Richtung Großunternehmen und deren Netzwerke.

Mit den vielen mittleren und kleinen Firmen, die aus den Stadtteilen verschwinden, mit den Filialen, die geschlossen werden, weil es keine lukrativen Geschäftskunden mehr in den Stadtteilen gibt, hat dass natürlich auch entsprechende Auswirkungen auf die Mitbewohner der Stadtteile, die immer weiter fahren müssen, um z.B. ihre Bankgeschäfte zu erledigen.

Die Bewohner dieser Stadtteile müssen auch erleben, dass ihre Bahnhöfe, Straßen, Schulen, Turnhallen, Parks usw. verwahrlosen.

An dieser Stelle führen wir eine weitere Größe ein: Der zunehmende Bau riesiger Einkaufszentren.

In diese Einkaufszentren kommen natürlich hauptsächlich die großen Handesketten auf Riesenflächen und bezahlen Mieten, die sich mittlere und kleine Handelsfirmen nicht leisten können.

In unserer Stadt werden also mehrere Riesen-Einkaufszentren errichtet, die die ganze Infrastruktur mittlerer und kleiner Einkaufszentren und Einkaufsstraßen zerstört, weil diese Supereinkaufszentren Käufermagneten sind.

Zu den Aufgaben der Stadt gehört es, Baugenehmigungen zu erteilen. Unsere fiktive Stadt kann also die jeweilige Stadtteilsentwicklung in Bezug auf seine Entwicklung steuern.

Jede Genehmigung eines Supereinkaufszentrums führt dazu, dass mittlere und kleine Handelsunternehmen im weiteren Umfeld dieses Zentrums sterben werden.

Großunternehmen und Großeinkaufszentren zerstören den hochflexiblen mittleren und kleinen wirtschaftlichen Unterbau dieser Stadt irreparabel.

Großunternehmen sind zunehmend Spekulationsobjekte von Finanzspekulanten, Anlageobjekte, die aus dem Nichts aufgebaut werden und die häufig genug wieder im Nichts verschwinden.

Großunternehmen, die zehntausende und hunderttausende Mitarbeiter beschäftigen. Großunternehmen, deren Bilanz eben noch gefeiert wurde und die einen Tag später vor dem Konkurs steht.

Großunternehmen lassen sich gern von mittelständischen Unternehmen beliefern, deren einziger Kunde das Großunternehmen ist. Gerät das Großunternehmen in eine Schieflage, reißt es eine Vielzahl mittlerer Unternehmen mit in den Konkurs.

Unsere fiktive Stadt, die durch die Steuerung öffentlicher Aufträge und Erteilung von sinnhaften Baugenehmigungen nicht einen Beitrag zum Überleben der mittleren und kleinen Unternehmen der Stadt leistet, leitet ein Unternehmens- und Stadtteilssterben ein.

Großprojekte im Bau explodieren kostenmäßig inzwischen überall in Deutschland.

Die Großprojekte, deren Kosten sich verdoppeln, verdreifachen und vervierfachen, sind heute eher die Regel als die Ausnahme.

Die Haushalte unserer fiktiven Stadt werden auf diese Art und Weiseunkalkulierbar und unplanbar,

Es vergeht in unserem fiktiven Stadtbeispiel kaum ein Monat, in dem immer neue Haushaltslücken durch Nachfinanzierungen der Großprojekte gerissen werden.

Eine Hamburger Staatsanwältin sagte, dass die meisten Fälle von Korruption im Baugewerbe auftritt.

Wir wissen aus der Korruptionsforschung, dass Großunternehmen im Bau regelrechte Korruptionssysteme betreiben, die z.T. Politik und Staat verseucht haben.

Wenn Menschen korrupt sind und mit korrupten Baufirmen zusammenarbeiten, lohnt sich das Geschäft für alle Beteiligten natürlich bei Großprojekten ganz besonders.

Nur unsere fiktive Stadt ist in solchen Fällen eine sterbende Stadt mit zunehmender sozialer Kälte und steigenden Formen von Unmenschlichkeit und bürgerlicher Gewalt.