14.03.2008 - Kassenärztliche Vereinigung - Ein Scherbenhaufen
14.03.2008, Abendblatt
Schleswig-Holstein Kassenärztliche Vereinigung trennt sich von ihrem Vorsitzenden
Schlammschlacht um Geld und Ehre
Büchner bekommt Gehalt bis Jahresende: "Ich gehe so nackt raus, wie ich reingegangen bin."
Von Ulf B. Christen
Bad Segeberg - Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein steht vor einem Scherbenhaufen. Nach einer mehrmonatigen Schlammschlacht räumte KV-Chef Ralf Büchner (49) in der Nacht zum Donnerstag "mit sofortiger Wirkung" seinen Stuhl. Er kam damit einem Abwahlantrag zuvor und wird sein Gehalt bis Jahresende weiterbeziehen - insgesamt 152 250 Euro brutto.
"Wir haben ein moderates Übergangsgehalt vereinbart", sagte der Vorsitzende der KV-Abgeordnetenversammlung, Jochen-Michael Schäfer, gestern in Kiel. Die Höhe der Abschiedsprämie war bis zuletzt umstritten. Die KV wollte ihren Chef angeblich mit knapp 20 000 Euro abfinden, während Büchner auf seinen bis 2010 laufenden Vertrag (gut 200 000 Euro im Jahr) verwies. Er habe sich letztlich mit "ziemlich wenig" zufriedengegeben, meinte Büchner. "Ich gehe so nackt aus der KV raus, wie ich da reingegangen bin."
Schäfer machte deutlich, dass die "einvernehmliche Trennung" unausweichlich war. "Es hat eigentlich schon zu lange gedauert bei dem, was in der KV abgelaufen ist." Wie berichtet, lag Büchner bei der KV in Bad Segeberg mit seinen beiden Vorstandskollegen Ingeborg Kreuz (47) und Ralph Ennenbach (45) seit Oktober im Dauerclinch. Dem selbstbewussten Ärztefunktionär wurde zudem vorgeworfen, als Hausarzt in Klanxbüll (Kreis Nordfriesland) 2006 falsch abgerechnet zu haben. Die KV verlangt angeblich bis zu 25 000 Euro zurück. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt seit Wochen gegen Büchner wegen Betrugsverdachts.
Entscheidender als die "Inplausibilitäten bei der Abrechnung" seien die Umgangsformen des KV-Chefs gewesen, bilanzierte Schäfer. "Ich bin doch kein Monster", konterte Büchner im Gespräch mit dem Abendblatt. Er habe sicher Fehler gemacht, sei aber Opfer einer Intrige. "Ich hätte gern weitergearbeitet." Das mache aber wegen des zerstörten Vertrauensverhältnisses keinen Sinn. Er freue sich auf seinen Job als Landarzt, ergänzte Büchner. "Segeberg ist nicht die Welt und die KV nicht mein Leben."
Schäfer ließ keinen Zweifel daran, wie sehr die Querelen der KV geschadet haben. "Die Außenwirkung ist katastrophal." Aus dem Kreis der 4400 Kassenärzte im Norden, die als Zwangsmitglieder 2,5 Prozent ihres Umsatzes an die KV überweisen müssen, habe es wütende Proteste gegeben. "Diese Krise ist jetzt beendet", befand Schäfer.
