29.07.2002 - Bund der Versicherten: Korruption und Kindesmissbrauch
29.07.2002, MOPO
Versicherten-Guru: Sex mit einer 8-Jährigen
von Olaf Wunder
Er gilt als einer der streitbarsten Verbraucherschützer in Deutschland. Lebensversicherungen nannte er „legalen Betrug“ und deckte auf, wie sich die großen Konzerne am Geld der Versicherten bereichern.
In Büchern und Broschüren informierte er darüber, welche Versicherungen unsinnig, überflüssig oder überteuert sind. Und er attackierte Versicherungskonzerne wegen ihrer oftmals irreführenden Werbung.
Die Rede ist von Hans Dieter Meyer, der bis vergangenen März Vorsitzender des Bundes der Versicherten (BdV) war. Der 65-jährige Mann aus Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg), der es gewohnt ist anzugreifen, muss sich nun verteidigen.
Wie der „Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn – wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs in zehn Fällen.
Mitangeklagt ist Meyers Lebensgefährtin, die bis heute in hoher Position beim BdV beschäftigt ist.
Meyer soll sich erstmals 1991 an der damals achtjährigen Tochter seiner Lebensgefährtin vergangenen haben. Unter anderem soll es auch in Meyers Büro in der BdV-Geschäftsstelle in Henstedt-Ulzburg zu sexuellen Übergriffen gekommen sein.
Dass er sexuelle Kontakte mit der Tochter seiner Lebensgefährtin hatte, gibt Meyer zu. Dennoch sei er unschuldig, wie er beteuert.
Um das zu beweisen, übergab er der Staatsanwaltschaft ein Paket mit Videobändern, auf denen nach Meyers Ansicht zu sehen sein soll, dass nicht er das Kind verführt habe, sondern das Kind ihn.
Die Staatsanwälte hingegen werten dieses „Entlastungsmaterial“ als Teilgeständnis. Der Prozess vor dem Landgericht
Itzehoe soll demnächst beginnen.
Der Prozess ist nicht das Einzige, was den Ruf des einst gefeierten Verbraucherschützers und seines Vereins gefährdet. Der „Spiegel“ berichtet davon, dass Meyer den BdV 20 Jahre nach „Gutsherrnart“ geführt habe.
Ausgerechnet der Mann, der nie müde wurde, von den Versicherungsunternehmen „Transparenz“ und „Offenheit“ einzufordern, habe im BdV ein System der Vetternwirtschaft und der Geheimniskrämerei geschaffen.
In der Tat ist es auffällig, dass Meyer etlichen Verwandten und engen Freunden Jobs im BdV zuschanzte.
Meyers Sohn, Meyers Neffe, Meyers Lebensgefährtin – sie alle verdienen ihren Lebensunterhalt beim Bund der Versicherten.
Lange Zeit soll auch Meyers Ehegattin, eine Künstlerin, auf der Gehaltsliste des BdV gestanden haben – unter anderem als Putzfrau.
Wie ein Alleinherrscher scheint Meyer den BdV all die Jahre geführt zu haben. Gegner wurden aus dem Weg geräumt und durch willfährige Personen ersetzt – wie zum Beispiel im Fall Joachim Staubach zeigt.
Vor drei Jahren wagte er es, Meyer zu kritisieren: Staubach beklagte sich darüber, dass es im BdV keine „detaillierte Kostenrechnung“ gebe.
Nicht einmal er als Schatzmeister und Mitglied der Vereinsführung erhalte Einblick in die Geschäfte.
Noch im gleichen Jahr wurde Staubach abgelöst. Meyer sorgte angeblich dafür, dass die Frau seines Steuerberaters zur Schatzmeisterin gewählt wurde.
Dass sich kurz darauf eben dieser Steuerberater dafür einsetzte, Meyers Geschäftsführer-Gehalt um 50 Prozent auf 120 000 Euro zu erhöhen, nährt abermals den Verdacht der Vetternwirtschaft.
Im März trat Meyer als Vorsitzender zurück – um angesichts der Missbrauchs-Vorwürfe Schaden vom Verein abzuwenden.
Die Fäden im „BdV“ zieht der mutmaßliche Kinderschänder aber offenbar weiter. Er fungiert jetzt als „Berater“.
