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24.02.2008 - Der kriminelle Trick mit den Tarnfirmen

24.08.2008, WELT
Steuern hinterziehen
Der kriminelle Trick mit den Tarnfirmen

Bargeld-Päckchen im Handschuhfach sind out. Steuerhinterzieher setzen heutzutage auf Tarnfirmen, die sie im Ausland gründen. Das ist sicherer, aber teuer. Und ein Problem bleibt: Es ist ziemlich schwer, das erschlichene Geld auszugeben, ohne erwischt zu werden.

Wenn es das perfekte Verbrechen denn überhaupt jemals gegeben hat - in Zeiten der DNA-Analyse und immer ausgefeilterer Kriminaltechniken wird es zunehmend schwerer, es zu verüben.

Gleiches gilt für das Vergehen der Steuerhinterziehung durch Kapitaltransfer ins Ausland.

In den 90er-Jahren noch ein in bestimmten Bevölkerungskreisen weitverbreiteter Volkssport, hat es seither deutlich an Attraktivität eingebüßt. Grund sind ein deutlich gestiegener Druck seitens der Steuerfahnder, die inzwischen sehr viel umfangreicher gewordenen Meldepflichten der Banken und ein recht umfassender Datenaustausch zwischen den Ländern in Europa.

Steuerflüchtlinge, die ihre Bargeld-Päckchen im Kofferraum oder dem Handschuhfach persönlich über die Grenzen in die Steueroasen schaffen und dort bei einer Bank anlegen, werden angesichts dieser Umstände von Kennern der Szene nur mitleidig belächelt. Ihr Urteil zu dieser Schwarzgeld-Karawane: viel zu riskant. Allenfalls blutige Amateure gehen so vor.

Auch die Masche, sich ein Ferienhaus im Ausland zu kaufen, um es später wieder zu verkaufen und das Geld auf einem Auslandskonto einzuzahlen, wird von Experten als umständlich und mittlerweile höchst gefährlich angesehen. Gleiches gilt für den Versuch, sich als Kunsthändler zu betätigen, um Geld wegzubekommen.

"Profis" oder "hervorragend" beratene Steuerhinterzieher handeln anders. "Der Schlüssel zu einem gut getarnten Geldtransfer ins Ausland liegt im Tätigen von Scheingeschäften beziehungsweise dem Realisieren von Scheinverlusten", so ein Insider.

Die Voraussetzung dafür: eine Firma im Ausland. Besonders leicht ist dies naturgemäß für Steuerhinterzieher, die einen eigenen unternehmerischen Hintergrund haben.

Sie kaufen einen Gesellschaftsmantel, wie sie etwa per Zeitungsanzeige angeboten werden. Oder sie gründen eine weitere Firma im Ausland und tätigen mit dieser Geschäfte.

Das alles natürlich nur zum Schein: Für Leistungen, die die Auslandsgesellschaft erbringt oder für Investments in diese Firma, werden dann entsprechende Zahlungen getätigt, die in der Folge wiederum - entweder direkt oder durch Geschäfte über weitere Scheinfirmen zusätzlich getarnt - auf ein Konto in einer der zahlreichen Steueroasen wandern.

Es gibt sogar schon "fertige" Firmen im Ausland, die sich für solche Tarnzahlungen anbieten. "Hier ist das Risiko der Entdeckung aber nicht gering", so ein Kenner der Materie. "Denn je mehr Leute ihre Zahlungen über eine Adresse abwickeln, umso größer ist die Gefahr, mitgefangen zu werden."

Alle Wege führen zur Tarnfirma

Als Königsweg für Steuerhinterzieher gilt daher die eigene Tarnfirma. Die kann prinzipiell in jedem Land der Erde beheimatet sein. Besonders günstig ist beispielsweise eine Unternehmensgründung in Panama.

Allerdings: Sehr exotische Adressen könnten das Interesse von Steuerprüfern oder anderen Aufsichtsbehörden wecken. Als besonders professionell, weil am unauffälligsten, gilt bei den Steuerverkürzern daher eine Adresse beispielsweise in Großbritannien.

Was so einfach klingt, setzt allerdings einiges an Energie voraus - krimineller Energie wohlgemerkt. Denn natürlich sollte mit der Auslandsfirma schon eine ordentliche Korrespondenz erfolgen, damit der "Geschäftsverkehr" einer eventuellen späteren Prüfung auch standhält. "Dabei kommt es auch auf Kleinigkeiten an: Beispielsweise auf ein landestypisches Briefpapier oder den Verzicht auf Umlaute in der Typografie", so ein Insider.

Doch auch, wenn das Geld wohlbehalten im Ausland angekommen ist, können die Steuerhinterzieher noch manchen Fehler machen.

Als solcher gilt etwa die Anlage bei der Auslandstochter einer deutschen Bank.

"Niemals sollte eine Adresse für die Anlage gewählt werden, deren Hauptsitz sich in Deutschland befindet", wird gewarnt.

Denn bestimmte Geschäfte solcher Institute werden über die Zentrale in Deutschland abgerechnet - und damit zumindest potenziell unter den Augen des heimischen Fiskus.

Neben rechtlichen Stolpersteinen nehmen die Steuerhinterzieher erhebliche Ausgaben in Kauf. Allein die Kosten für die Einrichtung eines wirklich "professionellen Transferweges" belaufen sich nach Schätzungen von Kennern leicht auf 20.000 bis 30.000 Euro.

Das Geld aus dem Land zu schaffen, ist ohnehin nur das eine. Das andere ist, wie die Leute von ihren kriminellen Aktivitäten profitieren können.

"Von spezialisierten Beratern werden oft wasserdichte Konstruktionen für das Raus aus einem Land besprochen, nicht aber, wie das Geld genutzt werden kann", sagt ein ehemaliger Bank-Mitarbeiter, der jahrelange selbst gut betuchte Kunden betreute.

Immobilien bar bezahlen

Ein noch vor ein paar Jahren gern genutzter Weg ist verbaut: das Geld für den Altersruhesitz in Spanien auszugeben.

Hier war es noch Anfang des Jahrzehnts üblich, dass nur 20 bis 40 Prozent des tatsächlichen Kaufpreises für ein Anwesen in der Nähe von Marbella oder eine Finca auf Mallorca offiziell überwiesen wurde.

Den Rest zahlte man bar.

Einige Notare in Spanien sollen sogar eigens elektronische Geldzählmaschinen in ihren Büros gehabt haben. Doch strengere Kontrollen durch die Finanzbehörden und ein neues Geldwäschegesetz brachten diese Praxis ins Stocken.

An ausgefallenen Ideen mangelt es freilich nicht. Das geht so weit, dass es schon vorgekommen sein soll, dass sich ein Steuerhinterzieher plötzlich über einen angeblichen Lotteriegewinn bei einer ausländischen Lotteriegesellschaft freute.

Denn solche Gewinne können auch in Deutschland steuerfrei vereinnahmt werden. Es geht aber auch ganz unspektakulär: Wer sich eine Kreditkarte von American Express ausstellen lässt, die beispielsweise aus einem Schweizer Nummernkonto gedeckt wird, braucht nicht so schnell zu befürchten, dass er entdeckt wird.

Denn einer Amex-Karte sieht man schlicht nicht an, aus welchen Quellen sie gespeist wird.

Doch auch bei der Kreditkarte gilt, wie bei all den anderen Maschen: Je enger die Staaten weltweit zusammenarbeiten, desto mehr ist es ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Steuerfahndern.

Kommt es zu einer Durchsuchung und die Kontrolleure finden eine teure Uhr oder ein neues Auto, muss der Delinquent eine plausible Erklärung parat haben, mit welchem Geld er dies bezahlt hat - wenn es auf seinem offiziellen Konto in Deutschland keine Abbuchung gab.

Auch das lässt sich machen, ist aber über die Jahre hinweg sehr anstrengend, wie ein Steuerfachmann erzählt:

"Es gibt Mandanten, die in einem solchen Fall von ihrem weißen Konto extra 10.000 Euro abgebucht haben, um eine Ausgabe vorzutäuschen."

Vergisst er eine solche Vorsichtsmaßnahme nur ein einziges Mal, ist das vermeintlich perfekte Verbrechen endgültig keines mehr.