leinenlos / Demo- gegen Autokraten / Korruption / Wirtschaftskorruption / 28.02.2008 - Baukonzern verklagt Allianz Arena



28.02.2008 - Baukonzern verklagt Allianz Arena

28.02.2008, MOPO
Baukonzern verklagt Allianz Arena
Streitobjekt

München ­ Die Schmiergeldzahlungen beim Bau des Münchner Fußballstadions Allianz Arena beschäftigen erneut das Landgericht München I. Die Stadion GmbH verweigert der Baufirma Alpine die Zahlung von Außenständen.

Sie geht davon aus, dass die Alpine ein Schmiergeld von 2,8 Millionen Euro an Karl-Heinz Wildmoser junior als damaligen Geschäftsführer der Stadion GmbH zu Unrecht auf die Bausumme von 280 Millionen Euro aufgeschlagen hat.

Außerdem macht die Stadion GmbH Baumängel geltend. In dem Zivilverfahren klagt nun die Alpine Außenstände von insgesamt 3,26 Millionen Euro ein.

Wildmoser, der Sohn des damaligen Präsidenten von 1860 München, soll das Schmiergeld zusammen mit einem ehemaligen Schulfreund für Insider-Informationen aus dem Vergabeverfahren angenommen haben.

Die Stadion GmbH hat dieses Geld nicht nur von ihren Zahlungen an das Bauunternehmen abgezogen. Sie fordert es zugleich in einem zweiten Zivilrechtsstreit von Wildmoser zurück. Dieser Prozess läuft seit Spätsommer 2005 vor dem Landgericht München II.

In dem neuen Verfahren machte der Vorsitzende Richter Arno Debo keinen Hehl daraus, dass die Frage des Schmiergelds zuerst strafrechtlich geklärt werden müsse.

«Wir als Zivilkammer fühlen uns nicht aufgerufen, da vorzupreschen.»

Der 42 Jahre alte Wildmoser wurde wegen Bestechlichkeit und Untreue im vergangenen Jahr zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, er hat jedoch Revision eingelegt.

Der Antrag liegt noch beim Bundesgerichtshof. Gegen den Alpine-Chef Dietmar Aluta steht noch der Strafprozess wegen Bestechung aus, er wird nach Angaben der zuständigen Richterin «noch in diesem Quartal» beginnen.

Da ein rechtskräftiges Strafurteil in der Schmiergeldfrage bisher fehlt, hat die Stadion GmbH die Einbehaltung des Geldes «hilfsweise» mit Baumängeln begründet.

Wenn man die Mängelliste sehe, sei die Stiftung Warentest mit ihrer Einschätzung der Sicherheit in den WM- Stadien «etwas optimistisch», sagte Debo, «das ist ein volles Programm».

Unter anderem wurde moniert, dass tauender Schnee auf dem Arena-Dach nicht über die Regenrinnen gefahrlos abfließt, er rutsche ab auf die darunter liegende Promenade.

Das Gericht erwägt die Einholung eines Gutachtens.