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10.04.2008 - Nazi-Sex wird zum Dauerbrenner

10.04.2008, MOPO
Mosleys Sex-Affäre wird zum Dauerbrenner

London - Die Affäre um angebliche Nazi-Sexspiele des FIA-Chefs Max Mosley wird endgültig zum Dauerbrenner, dem Motorsport drohen damit noch wochenlang weitere Negativ-Schlagzeilen.

Drei Formel-1-Rennwochenenden werden bis zur Krisensitzung am 3. Juni in Paris vergehen, bei der die Mitglieder des Automobil-Weltverbands FIA in geheimer Vertrauensabstimmung über die Zukunft ihres umstrittenen Präsidenten entscheiden.

«Je länger er bleibt, desto größer wird der Schaden und desto mehr Wiederaufbauarbeit wird nötig sein», sagte der dreimalige Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart der britischen Zeitung «The Sun».

Nach der Termin-Entscheidung des FIA-Senats bleiben Mosley, der einen Rücktritt vehement ablehnt, knapp acht Wochen Zeit zur Vorbereitung auf seinen Schicksalstag. Die «Daily Mail» mutmaßte, der 67-Jährige werde in dieser Frist «in den entlegensten Ecken seines Imperiums» um Unterstützung werben.

Bis zum «Showdown» in Paris bietet sich zudem Gelegenheit für neue gerichtliche Scharmützel zwischen Mosley und dem Boulevard-Blatt «News of the World», das Bilder aus einem fünfstündigen Sex-Video veröffentlichte und den Skandal ins Rollen brachte.

Offen ist, ob die Zeitung weitere Enthüllungen über den FIA-Chef plant, der den Vorwurf der Verbindung der Sex-Spiele zum Nationalsozialismus heftig bestreitet.

«Die lange Wartezeit wird viele in der Motorsport-Industrie entsetzen, vor allem diejenigen in der Formel 1, die Multi-Millionen- Verträge mit internationalen Firmen haben und die befürchten, dass die Entlarvung von Mosleys privaten Sünden ihre Marke beschädigen», kommentierte der «Telegraph».

Die in der Formel 1 engagierten Autobauer Mercedes, BMW, Toyota und Honda hatten bereits in der Vorwoche eine konsequente Aufarbeitung der Affäre gefordert.

Doch bis Mosley sich bei der Krisensitzung erklären wird, fährt die «Königsklasse» des Motorsports in Barcelona (27. April), Istanbul (11. Mai) und Monte Carlo (25. Mai). In Monaco hat der Brite aus Steuergründen seinen Wohnsitz. Der «Guardian» hielt es am Donnerstag für «wahrscheinlich», dass Mosley das Rennen besuchen wird.

Der FIA-Präsident scheint fest gewillt, den Sturm um seine Person trotz Rücktrittsforderungen von FIA-Mitgliedsverbänden aus aller Welt durchzustehen. Zuspruch erfuhr Mosley am Donnerstag zumindest aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. «Ich unterstütze ihn vollkommen», zitierte «Motorsport-total.com» den Chef des dortigen Verbands.

Eine einfache Mehrheit bei der Vertrauensfrage am 3. Juni würde Mosley genügen. Übersteht er die Abstimmung, kann er seine Amtszeit zumindest bis zur nächsten regulären Wahl im Herbst 2009 fortsetzen.

Doch die Zweifel am politischen Überleben des Briten sind immens. «Er kann jetzt nie wieder eine Grundsatzrede halten oder Strafen und Regeln mit der nötigen Glaubwürdigkeit durchsetzen», sagte der frühere Formel-1-Pilot Martin Brundle dem «Independent».