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18.01.2007 - UPS: Job gegen Sex

18.01.2007, mobbing-gegener.de
Von OLIVER MEYER

Köln - Es gab zwei Möglichkeiten: Sex mit dem Chef - oder der Job ist weg. Die Mutter von sechs Kindern wurde vor eine höllische Entscheidung gestellt - und sie war gefügig.

Als sie Strafanzeige erstattete, erlebte sie Drohungen, Einschüchterungen und Mobbing.

Tatort: Das Frachtunternehmen UPS am Kölner Flughafen. Hatice G. (41, Name geändert) arbeitete dort seit 2001 mit einem befristeten Vertrag.

In einem Zwischenzeugnis steht: „Sie zeigt eine weit über dem Durchschnitt liegende Arbeitsqualität, und ihre Arbeitsmenge und -tempo liegen stets weit über unseren Erwartungen“.

Ende 2002 wurde sie Trainerin in der Abteilung von Armin L. (42, Name geändert). Der machte Komplimente über ihre Figur. Hatice G.: „Als der unbefristete Vertrag anstand, machte er mir eindeutige Angebote. Wenn ich mich mit ihm privat träfe, bekäme ich den Vertrag. Sonst stünde ich auf der Straße.“

Die 41-Jährige, die auf einem Schuldenberg von 200.000 Euro sitzt, dachte an ihre Kinder. „Ich willigte ein. Sex gegen Job. Er forderte von mir ein Attest, dass ich gesund bin. Wir trafen uns mal in seiner Zweitwohnung, mal auf Parkplätzen.“

Hatice G. hoffte, dass der Familienvater irgendwann genug hatte. Aber er wollte weiter Sex. Als sie sich verweigerte, soll er wieder mit Konsequenzen gedroht haben. Schließlich erstattete sie Strafanzeige (AZ: 43 JS 184/05), wandte sich an die Geschäftsleitung.

„Statt alles aufzuklären, verbot man mir, den Betriebsrat einzuschalten. Ich wurde gemobbt, musste Papier aufsammeln oder in der Kantine drei Tage ohne Arbeit rumsitzen.“

Ihr Chef wurde versetzt, Hatice G. ging in eine andere Abteilung. Dort wusste jeder Bescheid. Inzwischen ist sie psychisch am Ende.

„Der Täter wurde zum Opfer und ich zum Täter. Die Staatsanwaltschaft will ihn nicht anklagen, weil er mir keine Gewalt antat. Eine Nötigung könne nicht bewiesen werden.“

UPS-Sprecher Uwe Detering: „Wir haben nach Bekanntwerden der Vorwürfe sofort reagiert, den Mitarbeiter räumlich von der Frau getrennt. Es steht Aussage gegen Aussage. Wir können arbeitsrechtlich nicht mehr tun.“