19.10.2006, Mopo
Riesenzoff bei Tierfreunden
SANDRA SCHÄFER
Riesenzoff im Franziskus-Tierheim (Lokstedt): Ehemalige Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen Tierheimchef Frank Weber.
Die Rede ist von Mobbing und Unterdrückung.
Eine Sekretärin und ein Tierpfleger strichen freiwillig die Segel, einer Tierarzthelferin des kleinen Tierheims wurde gekündigt, und die Leiterin des Tierschutzvereins Angelika Blank wurde nach acht Jahren ehrenamtlicher Arbeit hinauskomplimentiert.
Eine Entwicklung, die erschüttert.
Seit Jahren gilt das Franziskus-Tierheim des "Bundes gegen Missbrauch der Tiere" (BMT, s. Info-Kasten) als Vorzeigeprojekt.
Wem die manchmal fragwürdigen Gepflogenheiten beim Tierheim Süderstraße nicht mehr passten, der wandte sich der kleineren Einrichtung zu, wo es familiärer zuging.
Doch nun soll hier Terror herrschen.
"Herr Weber kennt nur Freund oder Feind", heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Kritik lasse er überhaupt nicht zu.
"Wenn Sie nicht spuren, sind sie die nächste, die gehen muss", soll er zu einer Kollegin gesagt haben.
"Mittlerweile herrscht hier eine Atmosphäre wie in einer Sekte", schildert sie. Dabei sei zuerst alles so schön gewesen.
Frank Werner übernahm im Juli 2004 die Tierheimleitung, und alle waren begeistert von dem smarten Mann mit den guten Manieren.
Doch schon bald änderte sich die Lage. Mitarbeiter sollen aufgefordert worden sein, sich gegenseitig zu bespitzeln.
Wer auf der Abschussliste stand, mit dem sprach Werner nicht mehr.
Ein Tierpfleger ging freiwillig, ebenso eine Bürokraft. Einer Tierarzthelferin wurde gekündigt, sie klagt auf Wiedereinstellung.
Die Tierärztin legte ihr Amt als stellvertretende Tierheimleiterin nieder.
Heftige Bewegungen in einem Team, das aus weniger als zehn festangestellten Mitarbeitern besteht.
Der Höhepunkt der Entwicklung: Angelika Blank, die seit acht Jahren den Landesverband leitet, musste ihr Amt niederlegen.
Auch die Vierbeiner sollen die Veränderungen zu spüren bekommen. Laut Insidern würden zunehmend Tiere aus Heimen in Ungarn und Rumänien geholt. "Wenn dann eine alte Dame ihren Dackel abgeben möchte, müssen wir passen, weil wir voll sind", heißt es.
Zudem würden die Tiere nicht mehr so genau unter die Lupe genommen wie früher. Quarantänezeiten und Hygienevorschriften würden laxer gehandhabt.
Frank Werner kann zu den heftigen Anschuldigungen keine Stellung beziehen. Er ist an einer Meningitis schwer erkrankt. Jörg Styrie, Vorsitzender des BMT-Tierschutzvereins, weist die Anschuldigungen als infam zurück.
"Das Tierheim hat Herrn Werner viel zu verdanken und es waren personelle Veränderungen nötig."
Werner mobbe keine Kollegen, es seien nur Auseinandersetzungen zwischen ihm und einer anderen Fraktion im Haus entstanden.
"Aber diese internen Probleme gehen auf keinen Fall auf Kosten der Tiere."
Info:
VEREIN BMT Der Verein Bund gegen Missbrauch der Tiere (BMT) wurde 1922 gegründet, um Versuche mit unbetäubten Tieren zu stoppen.
Ende der 50er Jahre dehnte der Verein seine Arbeit auf den Schutz von Tieren aus "Die Tierschutzprobleme sind immer zahlreicher geworden", heißt es auf der Internetseite (www.bmt-tierschutz.de).
Das Franziskus Tierheim ist eines von acht Heimen, die der Verein im ganzen Bundesgebiet betreibt. Die Mitglieder kümmern sich um 400 Gnadenbrot-Tiere in Deutschland und unterhalten eine Hundeauffangstation in Ungarn und ein Tierschutzprojekt in Rumänien sowie ein Tierschutzzentrum in Pfullingen (Baden-Württemberg).
Der BMT setzt sich für ein Verbot der Zirkustierhaltung, für die Abschaffung der Jagd und von Tierversuchen und für strengere Kontrollen bei Tiertransporten ein.
Weitere Themen sind das Verbot von Pelztierzucht und der Im- und Export von exotischen Tieren.
Vier Mal jährlich erscheint die BMT-Zeitschrift das "Recht der Tiere".
copyright © 2004 www.leinenlos.org Sonntag, 07.September 2008