08.12.2007, Abendblatt
Betrug im Namen des Tierschutzes
Justiz Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Verantwortliche des Vereins Arche 2000
Betrug im Namen des Tierschutzes Wolfgang K. und Jens D. sollen rund 15 000 Tierfreunde um eine Million Euro betrogen haben. Der Verein warb mit Drückern und Telefon-Marketing.
Von Gita Ekberg, Matthias Rebaschus
Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat gegen zwei Hamburger Anklage erhoben, die im Namen des Tierschutzes mit gewerbsmäßigen Betrügereien vor allem Rentner, ältere Menschen und gutgläubige Tierfreunde abgezockt haben sollen.
Angeklagt sind der 41-jährige Jens D. und Wolfgang K. (55). Sie sollen in knapp drei Monaten 15 000 Menschen um insgesamt eine Million Euro betrogen haben.
Das ist der vorerst letzte Fall in einer Reihe von Prozessen gegen die Macher und Hintermänner des angeblichen Tierschutzvereins Arche 2000. Ein Verein, den die Kripo als "Gelddruckmaschine" bezeichnet.
Jens D. ist der ehemalige Chef des Vereins. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft haben Jens D. und Wolfgang K. von Ende Oktober 2004 bis Anfang Januar 2005 über Bankeinzüge Beträge zwischen 9,99 Euro und knapp 60 Euro ergaunert, die sich auf 1,1 Millionen Euro summierten.
Dazu sollen sie sich der Einzugsermächtigungen von Arche-2000-Mitgliedern bedient haben. Allerdings landete nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft das Geld nicht auf Vereinskonten, sondern auf dem Konto eines anderen Hamburger Vereins - des "Vereins zur Förderung der Sicherheit in deutschen Haushalten".
Wolfgang K. war Chef des im Oktober 2004 gegründeten Sicherheitsvereins. Die Anklage (Aktenzeichen: 3290 JS 11/05) gegen die beiden Hamburger ist erhoben, der Prozess ist jedoch noch nicht terminiert, wie Rüdiger Bagger, Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft, dem Abendblatt sagte. Jens D. selbst war für das Abendblatt nicht zu erreichen.
Der 41-Jährige war schon im großen Arche-Prozess vorm Lübecker Landgericht im Jahr 2006 wegen Betruges zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte als Vereinschef den Aufstieg und Fall des schillernden Arche-Gründers Eduard ("Eppy") Geers (51) miterlebt.
Viele Arche-2000-Mitglieder wurden mit aggressiven Methoden geworben, vor denen die Hamburger Verbraucherzentrale warnt (siehe Beistück unten). So waren für die Arche-Drückerkolonnen an den Haustüren unterwegs, auch Callcenter warben mit Telefon-Marketing.
Geers führte am Rande Hamburgs ein Luxusleben. Sein Mercedes 600 lief als "Tiertransporter". Er leistete sich vom Geld der Vereinsmitglieder teure Häuser, eine Finca in Spanien, eine Yacht, einen Motocross-Rennstall (Millennium). Für seine Geburtstagspartys zahlte er fünfstellige Summen und holte Stars wie Peter Schilling. Geers wurde zu sechs Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.
Seitdem Geers im Gefängnis sitzt, arbeitet die zweite Garde der Arche-Macher weiter. Davon ist die Kripo überzeugt. Eine Sonderermittlungsgruppe von vier Itzehoer Kripobeamten und drei Finanzfahndern hat die ersten Fälle aufgeklärt.
Ein Fall gegen die zweite Garde der Arche wurde im November vor dem Amtsgericht Hamburg verhandelt. Zwei Männer und eine Frau wurden wegen gewerbsmäßigen Betruges zu Haftstrafen zwischen zehn und 14 Monaten verurteilt. Darunter Michael P., der bei der Arche auch einmal Vereinschef war. Diesmal ging es nicht um angeblichen "Tierschutz", sondern um vermeintlichen "Verbraucherschutz".
Der "Team-Millennium-Verein für Verbraucherinformation und Produktforschung" warb Produkttester als Mitglieder und betrog diese mit faulen "Begrüßungspaketen". Der Trick: Der Mitgliedsbeitrag von 120 Euro sollte das 120 Euro teure Paket beinhalten. Doch das Paket hatte nur einen Wert von 7,95 Euro.
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