15.12.2007 - Staatsanwaltschaft beschlagnahmt 179 425 Euro

15.12.2007, Abendblatt
Haspa-Zentrale durchsucht. Geld aus einer Spende und Erbschaft soll mithilfe eines Bankangestellten auf Privatkonten transferiert worden sein.

Von Ulrich Gaßdorf

Der Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins (HTV), Wolfgang Poggendorf, ist erneut im Visier der Staatsanwaltschaft. Am Freitag beschlagnahmten Beamte des Landeskriminalamts 179 425 Euro von Privatkonten des 70-Jährigen.

Nach Abendblatt-Informationen hat der HTV im Zeitraum von Ende 2003 bis Ende 2006 die Erbschaft und die Spende in Form von Wertpapieren (unter anderem Inhaberschuldverschreibungen) erhalten. Wolfgang Poggendorf soll diese dann verkauft und den Erlös mithilfe des Bankangestellten Marc-Olaf O. auf Privatkonten transferiert haben.

Freitagmorgen, 9.30 Uhr: Zeitgleich betreten Staatsanwälte und Beamte des Landeskriminalamts (LKA) mit Durchsuchungsbeschlüssen die Haspa-Zentrale am Adolphsplatz, die Räume des HTV, das Büro der Immobilien-Sachverständigen Katja F. in Volksdorf und das Privathaus von Ex-Haspa-Mitarbeiter Marc-Olaf O. in Halstenbek (Schleswig-Holstein).

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Bankkaufmann wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue und stellte sowohl in seinem Privathaus als auch an seinem früheren Arbeitsplatz Unterlagen sicher.

Marc-Olaf O. arbeitete bis Anfang Oktober in der Abteilung "Private Banking" der Haspa als Anlageberater, betreute in dieser Funktion auch den HTV:

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass irgendetwas bei den Bankgeschäften des Herrn Poggendorf im Zusammenhang mit dem HTV nicht korrekt war", sagt Marc-Olaf O. dem Abendblatt.

Nach eigenen Angaben hat sich O. auch um die persönlichen finanziellen Anlagen von Wolfgang Poggendorf gekümmert: "Wir hatten ein gutes Verhältnis", so Marc-Olaf O.

Im Büro von Katja F., gegen die auch wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue ermittelt wird, wurden Immobilien-Gutachten sichergestellt.

Die Unterlagen stehen im Zusammenhang mit weiteren HTV-Erbschaften.

Unterdessen forderte Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, gegenüber dem Abendblatt: "Herr Poggendorf und der gesamte Vorstand müssen umgehend zurücktreten. Wir haben geeignete Persönlichkeiten, die den Notvorstand bilden könnten. Wir lassen den HTV nicht allein."

Zudem steht Tierheimchef Poggendorf wohl auch die Aberkennung der Franz-von-Assisi-Medaille, der höchsten Auszeichnung des Deutschen Tierschutzbundes, bevor: "Herr Poggendorf ist dieser Auszeichnung nicht mehr würdig. Das Präsidium wird über die Aberkennung beraten müssen", so Apel weiter.

Im Tierheim an der Süderstraße kam am Freitagmittag der Vorstand des HTV zu einer Krisensitzung zusammen. Doch zurücktreten will Wolfgang Poggendorf trotz des schweren Verdachtes noch immer nicht. Eine Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen wollten weder Wolfgang Poggendorf noch sein Rechtsanwalt Otmar Kury abgeben.

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