07.02.2008 - Hunde illegal nach Brandenburg?

07.02.2008, Abendblatt
Anfrage Tierschutzverein vermittelte 44 Kampfhunde
Hunde illegal nach Brandenburg?

Gesundheitsbehörde bestätigt: Stadt Hamburg zahlte 13 744,50 Euro an den HTV. Politiker von CDU, SPD und GAL fordern Aufklärung der Vorgänge.

Von Ulrich Gaßdorf

Der Hamburger Tierschutzverein (HTV) hat 2007 offenbar illegal 44 Kampfhunde nach Brandenburg vermittelt - und die Stadt Hamburg hat dafür bezahlt.

Das Brandenburger Innenministerium bestätigte dem Abendblatt auf Anfrage:

"Diese gefährlichen Hunde durften unter keinerlei Umständen nach Brandenburg verbracht werden. Denn hier gilt ein absolutes Handels-, Ausbildungs- und Haltungsverbot für diese Hunde.

Deshalb ist es auch verboten, dass ein Tierheim diese Tiere aufnimmt", so Vizesprecher Wolfgang Brandt.

Wie aus einer Senatsantwort auf eine Anfrage des SPD-Innenexperten Andreas Dressel hervorgeht, wurden 2007 vom HTV 56 der laut Hundegesetz als gefährlich geltenden Rassen (Pitbull-Terrier, American Staffordshire Terrier, u. a.) in andere Bundesländer vermittelt. Die Stadt hat dafür an den HTV 13 744,50 Euro bezahlt.

Rico Schmidt, Sprecher der zuständigen Gesundheitsbehörde, bestätigte dem Abendblatt: "44 der Hunde wurden an ein Brandenburger Tierheim vermittelt. Darüber hat der HTV Nachweise erbracht."

Für die Vermittlung der Hunde war der ehemalige HTV-Vorsitzende Wolfgang Poggendorf verantwortlich, gegen den die Staatsanwaltschaft in mehreren Fällen wegen des Verdachts der Untreue ermittelt (wie berichteten).

Michael Fuchs, der tierschutzpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, sagt zu den Vorgängen:

"Möglicherweise wurden die Hunde in Brandenburg eingeschläfert, weil sie dort nicht vermittelt werden können. Es ist skandalös, dass die Stadt für die Vermittlung der Tiere nach Brandenburg bezahlt hat."

Der GAL-Tierschutzexperte Christian Maaß fordert: "Die Stadt muss sich dringend darüber Klarheit verschaffen, was mit den nach Brandenburg vermittelten Hunden passiert ist. Auch im Sinne der Steuerzahler ist eine dringende Aufklärung erforderlich."

Für Andreas Dressel steht fest: "Der HTV und die Stadt müssen jetzt schnellstens die Öffentlichkeit über den Verbleib der Hunde informieren. Es darf nicht sein, dass gefährliche Hunde einfach nur abgeschoben werden."

Wo sind die Tiere jetzt? Dazu Behördensprecher Schmidt: "Über die Weitervermittlung der Hunde haben wir keine Erkenntnis."

Der erst seit Kurzem amtierende Tierschutzverein-Notvorstand Hauke Maschewski kündigte gestern an: "Wir werden die Vermittlungen genau überprüfen."

www.leinenlos.org - gegen generellen Leinenzwang copyright © 2004 www.leinenlos.org Freitag, 05.Dezember 2008