23.02.2008 - Entitec soll Schmiergelder an VBG gezahlt haben!

23.02.2008, MOPO
Berufsgenossenschaft VBG
Dubiose Millionen-Geschäfte?
Razzia in Alsterdorfer Zentrale der Berufsgenossenschaft VBG - Es geht um 40-Mio.-Euro-Aufträge an eine Computer-Firma

THOMAS HIRSCHBIEGEL

Berufsgenossenschaft VBG
Dubiose Millionen-Geschäfte?
Razzia in Alsterdorfer Zentrale der Berufsgenossenschaft VBG - Es geht um 40-Mio.-Euro-Aufträge an eine Computer-Firma

THOMAS HIRSCHBIEGEL

Mit 7,5 Millionen Versicherten ist die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) mit Sitz in Alsterdorf eine der ganz großen Unfallkassen.

Nun kam unangemeldeter Besuch: Fast 100 Kripoleute, zwei Staatsanwälte und Bereitschaftspolizisten rückten in der Hamburger Zentrale und in Büros in acht weiteren Bundesländern an.

Es geht um Aufträge an eine Hamburger IT-Firma in Höhe von gut 40 Millionen Euro, bei denen es nach Vermutungen der Ermittler nicht mit rechten Dingen zuging.

Im Mittelpunkt steht offenbar VBG-Boss Prof. Ernst Haider. Der 60-Jährige verantwortet einen Milliarden-Etat.

Nun wird dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der VBG und 14 leitenden Kollegen Untreue vorgeworfen. Laut Insider-Informationen soll die VBG schon 1992 eine Art Exklusivvertrag mit dem IT-Unternehmen Entitec abgeschlossen haben.

Praktischerweise residiert die seit 20 Jahren bestehende Firma, bei der etwa 70 Mitarbeiter beschäftigt sind, gleich neben der wuchtigen Zentrale der VGB im Deelbögenkamp 4 am Alsterlauf.

Nach MOPO-Informationen ging ein großer Teil des Firmenumsatzes auf die Geschäfte mit der großen Berufsgenossenschaft zurück.

Zu möglicherweise überhöhten Preisen soll Entitec die rund 2000 VBG-Mitarbeiter mit Computern ausgestattet, sie geschult und beraten haben.

Grundlage des aktuellen Verfahrens sind aber nur Aufträge seit 2002. Alles davor ist verjährt.

Laut dem Hamburger Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger geht es bei den Aufträgen, die jetzt überprüft werden, um einen "höheren zweistelligen Millionen-Betrag".

Nach MOPO-Informationen sind es mehr als 40 Millionen Euro. Dass für diese Aufträge Schmiergeldzahlungen geflossen sind, wollte Bagger nicht bestätigen.

Die Durchsuchungen fanden aktuell in zehn Büros und Wohnungen in Hamburg, aber auch in Hessen, Bremen, Niedersachsen, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern statt.

VBG-Sprecherin Daniela Dalhoff: "Vorwürfe wie diesen gibt es immer mal wieder. Bisher hat sich kein Verdacht erhärten können."

Im Auftrag von Entitec sagte Rechtsanwältin Simone Kämpfer: "Definitiv ist niemand im Unternehmen Beschuldigter. Es ging nur um die Sicherstellung von Beweismitteln. Wir kooperieren in vollem Umfang mit den Ermittlungsbehörden."

Nun sitzt das Hamburger Landeskriminalamt (LKA) auf einem Berg von sichergestellten Akten und Computer-Festplatten. Ein Ermittler: "Die Auswertung wird Monate dauern."

Info:
Das ist die VBG

Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) mit Sitz am Deelbögenkamp in Alsterdorf ist eine gesetzliche Unfallversicherung. 580000 Unternehmen mit 7,5 Millionen Beschäftigen unter anderem aus den Bereichen Banken, Versicherungen, Zeitarbeitsunternehmen, Architektur- und Ingenieurbüros, Anwaltskanzleien, Kirchen, Medien und Sportvereinen sind Mitglied.

Die VBG ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Mitgliedschaft ist Pflicht.

In Hamburg wird das Unfallkrankenhaus Boberg von der VBG betrieben.

Zitat:
Die Kripo überprüft Aufträge an die Computerfirma Entitec seit 2002

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