26.03.2008 - Tierschutzverein immer tiefer in der Krise

26.03.2008, Abendblatt
Vorstandswahl Kein Kandidat für Amt des Vorsitzenden
Tierschutzverein immer tiefer in der Krise

Droht die Wahl des Nachfolgers von Wolfgang Poggendorf jetzt zu platzen? Schon am Freitag läuft die Frist für die Bewerber ab.

Von Ulrich Gaßdorf

Die Wahl des neuen Vorsitzenden des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) droht zu platzen: Nach Abendblatt-Informationen gibt es noch immer keinen offiziellen Kandidaten für die Führung des rund 6200 Mitglieder zählenden Vereins, obwohl die Frist für Bewerber am Freitag abläuft. Auch HTV-Notvorstand Hauke Maschewski weiß um die dramatische Lage: "Sollte es bis Freitag keinen Kandidaten für dieses Amt geben, können wir die Wahl nicht durchführen. Dann muss ein neuer Kandidatenaufruf gestartet werden."

Als einzige Hoffnung gilt Gabriele Waniorek-Goerke (56), die als Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht arbeitet und nach Abendblatt-Informationen bei einem Geheimtreffen am 8. März im East-Hotel ihr Interesse an dem Amt signalisiert hatte.

Doch nun ist auch ihre Bereitschaft fraglich: Denn Waniorek-Goerke wollte sich für die Aufgabe als HTV-Vorsitzende von ihrem Amt als Richterin für ein Jahr von der Stadt Hamburg bei vollen Bezügen freistellen lassen - nach Abendblatt-Informationen wären dadurch Kosten von rund 95 000 Euro entstanden. Laut HTV-Satzung arbeitet der Vorstand ehrenamtlich.

Einen entsprechenden Antrag auf Freistellung hatte Waniorek-Goerke über die Justizbehörde beim Personalamt der Stadt gestellt. Doch gestern wurde der Richterin, die sich seit Jahren als Vorsitzende des Vereins Tiere in Not engagiert, mitgeteilt, dass diesem Antrag nicht zugestimmt werde: "Ich habe die Entscheidung der Stadt zur Kenntnis genommen. Ich werde am Donnerstag entscheiden, ob ich trotzdem kandidiere. Denkbar wäre, meine richterliche Tätigkeit nur noch halbtags auszuüben", so Waniorek-Goerke.

Für Rechtsanwalt Friedrich Engelke (58), der maßgeblich an der Kandidatensuche beteiligt ist, steht allerdings fest: "Es müsste für die Stadt eigentlich ein öffentliches Interesse daran bestehen, dass der HTV künftig solide geführt wird. Frau Waniorek-Goerke wäre als Juristin dafür bestens geeignet.

Allerdings würde dieses Amt in der momentanen Situation so viel Zeit in Anspruch nehmen, dass man das nicht nebenbei machen kann." Doch diese Meinung vertritt die Justizbehörde nicht: "Es handelt sich hierbei um einen privaten Verein, der dann indirekt von der Stadt subventioniert würde.

Und das kann nicht Aufgabe der öffentlichen Hand sein. Außerdem würde sich dann das Problem der Ungleichbehandlung gegenüber anderen Vereinen stellen", sagte Sprecherin Kathrin Sachse (32).

Bereits im Januar hatte der Filmproduzent Reginald Puhl seine Bereitschaft signalisiert, für das Amt des HTV-Vorsitzenden zur Verfügung zu stehen.

Doch Puhl hat seine Meinung geändert: "Der HTV sollte nicht von einem Feierabendvorstand geführt werden, sondern von professionellen Geschäftsführern.

Der Vorstand sollte dann lediglich als eine Art Aufsichtsrat deren Tätigkeit überwachen. Diese Voraussetzungen zeichnen sich derzeit nicht ab, deshalb stehe ich für den Vorsitz nicht zur Verfügung."

Unterdessen gibt es laut Friedrich Engelke mehrere HTV-Mitglieder, die künftig als Beisitzer im Vorstand mitarbeiten wollen. Für das Amt des Schatzmeisters will der ehemalige Bankkaufmann Edgar Kiesel kandidieren.

Der HTV durchlebt seit Monaten die wohl schwerste Krise in der Vereinsgeschichte: Seit Mitte Januar wird der Tierschutzverein von den Juristen Heinz Kourim und Hauke Maschewski kommissarisch als Notvorstand geführt. Zuvor war am 12. Januar der komplette HTV-Vorstand bei einer Mitgliederversammlung im CCH zurückgetreten.

Bereits Ende Dezember vergangenen Jahres hatte Wolfgang Poggendorf sein Amt als Vorsitzender des Vereins aufgegeben. Wenige Tage vorher hatte die Staatsanwaltschaft 179 425 Euro von den Privatkonten des 71-Jährigen beschlagnahmt.

Es besteht laut Staatsanwaltschaft der Verdacht, dass Poggendorf Geld aus einer Spende und einer Erbschaft des HTV auf seine eigenen Konten überwiesen hat. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt bereits seit Juli vergangenen Jahres gegen Poggendorf wegen des Verdachts

Die Verantwortlichen beim Deutschen Tierschutzbund, der Dachorganisation der Tierschutzvereine, beobachten die schwierige Kandidatensuche in Hamburg aufmerksam: "Wir hoffen, dass sich in den kommenden Tagen jemand findet, der sich unbefangen der Verantwortung stellt", sagt Bundesgeschäftsführer Thomas Schröder.

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