07.04.2008, Abendblatt
Tierschutzverein: Freier Mitarbeiter erhielt 42 000 Euro Honorar
Das Geld beim Hamburger Tierschutzverein (HTV) saß unter der Ägide von Wolfgang Poggendorf locker.
Nicht nur der ehemalige HTV-Vorsitzende ließ sich seine journalistische Tätigkeit für die Vereinszeitschrift "ich&du" gut bezahlen - allein im Februar 2007 stellte er dem Verein rund 5000 Euro in Rechnung - auch weitere Mitlieder wurden großzügig bedacht:
So erhielt der freie Journalist Jan Heitmann, der HTV-Mitglied ist und jetzt bei den Vorstandswahlen kandidiert, alleine zwischen Januar und November 2007 mehr als 42 000 Euro:
Dafür arbeitete Heitmann an den insgesamt vier Ausgaben der "ich&du" mit und betreute nach eigenen Angaben den Internetauftritt.
Außerdem schrieb Heitmann Pressemitteilungen für den HTV, die allerdings Seltenheitswert hatten im vergangenen Jahr. Insgesamt stellte Heitmann dem HTV 1800 Stunden in Rechnung und hält sein Honorar für "angemessen".
Deutliche Kritik kommt vom Deutschen Tierschutzbund: "Dass ein zuarbeitender Freiberufler für die Pressearbeit eine so hohe Summe bekommt, ist aus meiner Sicht ein wohl einmaliger Vorgang bei einem deutschen Tierschutzverein.
Bei vielen wird das Vereinsmagazin sogar von Ehrenamtlichen gemacht, sagt Bundesgeschäftsführer Thomas Schröder und fordert:
"Am 12. April bei der Kandidatenvorstellung für die HTV-Vorstandswahlen muss Herr Heitmann die Höhe der Summe gegenüber den Mitgliedern erklären."
Der HTV-Notvorstand Hauke Maschewski bestätige die Zahlungen an Heitmann, wollte aber keine weitere Stellungnahme abgeben. Unterdessen beschäftigt der HTV heute das Amtsgericht St. Georg:
Das Gericht verhandelt darüber, ob der Anwalt Michael Rockel nun doch bei den Vorstandswahlen antreten darf. Der HTV hatte seine Kandidatur abgelehnt, weil er nicht die zehn geforderten Mitglieder-Unterschriften vorweisen konnte, die für seine Kandidatur notwendig wären.
ug
copyright © 2004 www.leinenlos.org Freitag, 29.August 2008