26.05.2008 - Tierschutzverein schon in acht Wochen pleite?

26.05.2008, BILD.de
Tierschutzverein schon in acht Wochen pleite?
Von DINO SCHRÖDER

Hat der Hamburger Tierschutzverein seine Mitglieder, Spender und die Öffentlichkeit jahrelang belogen?

Dem HTV gehe es prächtig, behauptete der wegen Untreue-Vorwürfen zurückgetretene Ex-Vorstand Wolfgang Poggendorf stets.

Zwar offenbarte er nie die Besitztümer des Vereins, versicherte aber immer wieder: Der HTV kann mehrere Jahre ohne Spenden und städtische Unterstützung auskommen.

„Stimmt nicht“, sagt Wolfgang Apel, Chef des Deutschen Tierschutzbundes: „Der HTV ist nicht reich. Sein Vermögen ist nur mittelmäßig im Vergleich zu anderen Tierschutzvereinen in Deutschland.“ Ohne Einnahmen würde der HTV höchstens ein Jahr überleben.

Der Betrieb des Tierheims (80 Beschäftigte) kostet etwa fünf bis sechs Millionen Euro im Jahr. Zwei Millionen gibt es jährlich von der Stadt, die 6100 Mitglieder (450 sind bereits ausgetreten) zahlen im Jahr etwa 300 000 Euro. Der Rest muss über Spenden und Nachlässe finanziert werden.

Noch sind diese Einnahmen steuerfrei. Aber Poggendorf-Gegner Rechtsanwalt Friedrich Engelke sieht sogar die Gemeinnützigkeit des Vereins in Gefahr!

Seit dem 18. September prüft das Finanzamt Hamburg den Tierschutzverein. Engelke: „Wenn der HTV den Vereinsstatus wegen Unregelmäßigkeiten in der Buchführung verliert, dauert es keine acht Wochen bis zur Pleite.“

Er warnt deshalb vor der Wiederwahl ehemaliger Vorstände (fünf von ihnen kandidieren, BILD berichtete): „Wir brauchen einen Neuanfang, damit auch die Politik wieder Vertrauen zum HTV finden kann.“

Auch Wolfgang Apel appellierte am Sonnabend an die etwa 200 Mitglieder im Bürgerhaus Wilhelmsburg, wo sich alle Kandidaten vorstellen sollten: „Der alte Vorstand gehört weggejagt. Ich weigere mich, mit diesen Leuten künftig an einem Tisch zu sitzen.“

Insbesondere Wolfgang Poggendorf nahm er sich zur Brust: „Wer Wertpapiere aus Erbschaften auf sein Privatkonto überweist, ist ein Ganove.“

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