14.06.2008, MOPO
BÜRGER GEGEN TIERVERSUCHE
Chefin zockte Tierfreunde ab
Muss Verein bald hohe Steuern nachzahlen?
STEPHANIE LAMPRECHT
Der Verein "Bürger gegen Tierversuche": Jahrelang hat die Vorsitzende Simone Runde aus Spendengeldern ein Raffke-Gehalt auf Top-Niveau kassiert (MOPO berichtete). Jetzt hat das Finanzamt eine Betriebsprüfung angekündigt. Sollte der Verein seine Gemeinnützigkeit, würde das erhebliche Steuernachzahlungen bedeuten.
Die Briefe des Steuerberaters, der den Verein jahrelang betreute, sind für den Berufsstand ungewöhnlich salbungsvoll. Alle Jahre wieder dient der Fachmann der "sehr geehrten Frau Runde" eine Gehaltserhöhung an. Im März 2001 schreibt er: "Ein Betrag von monatlich netto 5000 Mark ist unbedingt angemessen." Und weiter: "Wie ich Sie kenne, würde es Ihnen überhaupt nicht behagen, diese realistische Forderung zu vertreten. Denken Sie bitte dennoch einmal an sich und schlagen Sie dem Vorstand eine Erhöhung vor."
Der Vorstand segnete daraufhin prompt ein Nettogehalt von 4250 Mark ab. Doch laut Vereinssatzung kann die Vorsitzende nur eine "Halbtagsstelle" in Rechnung stellen.
Ein Jahr später, im Februar 2002, kommt ein neuer Brief vom Steuerberater. Jetzt wird die Erhöhung des Nettogehaltes auf 2500 Euro angeregt. Aufgestockt mit einem zusätzlichen 13. Monatsgehalt. Die Begründung des Beraters lautete: "Frau Runde hat in
den vergangenen Monaten, die durch schwere persönliche Schicksalsschläge gekennzeichnet waren, wieder einmal bewiesen, dass das Wohlergehen des Vereins für sie absoluten Vorrang hat." Doch tatsächlich waren die Aktivitäten des Tierschutzvereins nach einer Erkrankung der Vorsitzenden nahezu zum Erliegen gekommen.
2005, Simone Runde ist arbeitsunfähig geschrieben, bittet der Steuerberater darum, dass der Verein die Differenz zwischen Nettogehalt und Krankengeld ausgleichen sollte. Die
Begründung: "Frau Runde entstehen beträchtliche zusätzliche Aufwendungen in Form teurer Medikamente."
copyright © 2004 www.leinenlos.org Freitag, 21.November 2008