12.07.2008 - Georgina kämpft nach Pitbull-Attacke um ihr Leben

12.07.2008, WELT
Georgina kämpft nach Pitbull-Attacke um ihr Leben

Bundesweit Häufung von Hunde-Angriffen - Verband lehnt schärfere Gesetze ab - Verbotene Rassen illegal eingeführt

Oldenburg - Die zweijährige Georgina kämpft seit zwei Wochen in einem Krankenhaus um ihr Leben. Nach der Beißattacke eines Hundes sei ihr Zustand "stabil, aber kritisch", sagte ein Sprecher der Oldenburger Staatsanwaltschaft am Freitag.

Das Mädchen sei noch immer "nicht vollständig über den Berg". Der Angriff des Tieres auf das Mädchen im Garten der Patentante in Ovelgönne war der folgenschwerste in einer Serie von Hundeattacken, von denen sich mehrere in Norddeutschland ereigneten.

In den vergangenen vier Wochen war bundesweit ein Dutzend solcher Fälle bekannt geworden. In Wolfenbüttel griff eine freilaufende Dogge ein achtjähriges Mädchen an. In Bad Fallingbostel fügte ein Rottweiler einer Achtjährigen tiefe Wunden im Gesicht und an den Armen zu.

Trotz dieser Häufung von Hundeangriffen in Niedersachsen verteidigt das Landwirtschaftsministerium in Hannover die aktuelle Gesetzeslage.

Demnach müssen Besitzer von Kampfhunden keine anderen Voraussetzungen erfüllen als die Halter anderer Rassen. Eine Erlaubnis muss erst beantragt werden, wenn "es Momente gibt, die auf eine Gefährlichkeit des Hundes hinweisen". "Es reicht, wenn zum Beispiel ein Nachbar meldet, der Hund sei ihm nicht geheuer", sagte ein Sprecher.

Auch der Präsident des Deutschen Hundesportverbandes, Wolfgang Rüskamp, lehnt ein Wiederaufleben der Debatte um schärfere Gesetze grundsätzlich ab. Er glaube nicht, dass weitere Reglementierungen das "eigentliche Problem der Hundehalter" verändern würde, sagte Rüskamp.

"Es gibt offenbar viele ,schwarze Schafe', die ihre Hunde in den wichtigen ersten Wochen und Monaten nicht richtig erziehen, denn kein Tier wird bösartig geboren", sagte der 55-Jährige, dessen Verband 130 000 Mitglieder zählt.

"Von den rund 6,5 Millionen Hundehaltern sind nur etwa 800 000 in Vereinen organisiert. Da wird eine große Grauzone deutlich." Der Hundeführerschein zeige zumindest, dass der Halter mit seinem Tier umgehen könne. Bei allen Bemühungen bleibe aber ein Restrisiko. Generell sei "jeder Hundebiss einer zu viel".

Nordrhein-Westfalens Landesregierung kündigte deshalb an, noch in diesem Jahr das seit 2003 gültige Landeshundegesetz überprüfen zu lassen.

Es gehe darum, ob und inwieweit sich die Auflagen für die Haltung bestimmter Hunderassen bewährt hätten, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Umweltministeriums. Die Zwischenfälle mit gefährlichen Hunden seien im größten Bundesland zwischen 2003 und 2006 zurückgegangen.

Auch die Zahl der als besonders gefährlich geltenden Hunde, unter anderen Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier oder Staffordshire-Bullterrier, nehme ab, hieß es. 2006 wurden rund 12 400 dieser Hunde registriert, für die eine allgemeine Anlein- und Maulkorbpflicht gilt.

Nach Einschätzung Rüskamps ist die Zahl der "schweren Hundeattacken auf Menschen in den vergangenen acht Jahren auch bundesweit nicht wesentlich weniger, aber auch nicht mehr geworden". Aussagekräftige Statistiken gibt es aber nicht.

Nach dem Tod des sechsjährigen Volkan auf einem Schulhof in Hamburg im Jahr 2000, der damals von zwei Kampfhunden angefallen und getötet worden war, hatten alle Bundesländer außer Sachsen-Anhalt entsprechende Verordnungen zur Haltung vor allem von sogenannten Kampfhunderassen erlassen.

Der Chef des Hundesportverbandes, Rüskamp, bleibt trotz aller Anstrengungen skeptisch:

Es gebe zwar heute ein Zucht- und Einfuhrverbot für Kampfhunderassen. Jedoch habe der Staat kaum Möglichkeiten, gegen Geschäftemacher vorzugehen, die "beispielsweise nachts ganze Tierladungen illegal nach Deutschland bringen".

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